Lesezeit

2m 55s

Share

250 Jahre Goldstadt Pforzheim

Pforzheim feiert sich selber: 250 Jahre Goldstadt, 250 Jahre Uhren- und Schmuckherstellung in der zwischen Karlsruhe und Stuttgart gelegenen Gewerbestadt. Auch wenn der Glanz der alten Zeiten ein wenig verblasst ist, die gross angelegten Feierlichkeiten zeigen: Die Schmuckindustrie Pforzheims präsentiert sich selbstbewusst und fürchtet die Zukunft nicht.

Die offizielle „Goldgeschichte“ Pforzheims begann exakt am 6. April 1767: Der Markgraf Karl Friedrich von Baden Durlach (1728-1811) erliess dem Franzosen Jean-François Autran das Privileg zur Einrichtung einer Uhrenmanufaktur im Waisenhaus von Pforzheim und erlaubte diesem kaum ein Jahr später eine Erweiterung um eine Schmuck- und Stahlwarenmanufaktur. Von Anfang an waren im von Autran geführten Betrieb die verschiedensten Branchenberufe vertreten, darunter Graveure, Goldschmiede, Werkzeugmacher, Zifferblattmaler, Edelsteinschleifer, Vergolder, Kettenmacher, Polisseuse, Gehäusemacher, Universaluhrmacher, Pendeluhrmacher sowie Stahlwarenfertiger. Auch wenn Autrans Unternehmen anfangs kaum rentabel war, beschäftigte es schon 1771 mehr als 200 Personen.

Rund 30’000 Beschäftige zu Spitzenzeiten

Bald spalteten sich kleine Manufakturen ab und zwischen 1790 und 1800 stieg die Zahl der einzelnen Betriebe von 15 auf 29, während die Zahl der Beschäftigten bei rund 1000 lag. Im 19. Jahrhundert folgten zahlreiche Schwankungen in Folge von Kriegen und Wirtschaftsblockaden. Waren 1835 nur noch etwa 500 Personen in der Schmuckindustrie beschäftigt, lag die Zahl 1873 bei 7000 und 1890 bei rund 8800, bei einer Einwohnerzahl von etwa 27’000. Als Spitzenwert zählte Pforzheims Schmuckindustrie 1914 rund 30’000 Beschäftigte. Nach einem Einbruch in Folge des Ersten Weltkriegs wurde dieser Wert in den 30er Jahren annähernd wieder erreicht.

Die grosse Zäsur

Einen absoluten Nullpunkt markierte der 23. Februar 1945, als Pforzheim bei Luftangriffen weitgehend zerstört wurde. Schon 1948 arbeiteten aber bereits wieder rund 3000 Personen in der Schmuckherstellung. Ein letzter Rekordwert wurde 1967 mit 27’000 Beschäftigen erreicht. In den folgenden Jahrzehnten sank die Zahl sukzessive: 1978 lag sie bei etwa 10’000 Beschäftigen, 1998 waren es noch 3075. Und 2015 zählte der Bundesverband für Schmuck + Uhren für die Region Pforzheim 76 Betriebe der Uhren- und Schmuckbranche, wobei die Beschäftigtenzahl bei rund 1300 lag. Allein zwischen 1980 und 2015 verschwanden in Pforzheim mehr als 350 Betriebe. Wohin die Reise geht, ist offen. Zahlreiche Zulieferbetriebe, die vielfach selber aus der Schmuckindustrie hervorgegangen sind und heute mehrheitlich andere Branchen bedienen, bieten jedenfalls ausgezeichnete Rahmenbedingungen. Punkto technischer Infrastruktur wären die Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Schmuckindustrie also durchaus gegeben.

Es darf gefeiert werden

Im Rahmen des Jubiläumsfestivals zu „250 Jahre Goldstadt Pforzheim“ finden 2017 das ganze Jahr hindurch Ausstellungen, Tagungen, Konzerte und Festlichkeiten statt, im Ganzen sind es über 200 verschiedene Veranstaltungen. Wer sich auf der Festjahrs-Seite www.goldstadt250.de umsieht, verliert fast den Überblick, so vielfältig ist der Eventreigen. Erwähnt seien hier nur einige Daten: Das Schmuckmuseum Pforzheim zeigt bis am 30. April die Ausstellung „Mechanik en miniature – Armbanduhren der Luxusklasse“. Vom 21. Mai bis 10. September folgt dort die Ausstellung „Must-haves – Schmuck grosser Juweliere“. Im Stadtmuseum Pforzheim ist bis am 30. April die Ausstellung „Frühe Schmuck- und Bijouteriemanufakturen in Deutschland“ zu sehen. Gefolgt von der Ausstellung „Echt unecht?! – Schmuck aus Pforzheimer Industrieproduktion“, die vom 21. Mai bis am 10. September zu sehen ist. (mw)

Klinglesweg 175228 Ispringeninfo@reinhardt-fotografie.de(0049) 0 7231 984123 10145-metamorphosen-250-jahre-goldstadt-pforzheim
<
>
Klinglesweg 1 75228 Ispringen info@reinhardt-fotografie.de (0049) 0 7231 984123

Info

www.goldstadt250.de

 

Das Buch zum Jubiläum

Im Hamburger Untitled Verlag ist zum Jubiläum das Buch „Metamorphosen: 250 Jahre Goldstadt Pforzheim – Geschichte, Geschichten und Perspektiven“ erschienen. Das von Iris Wimmer-Olbort verfasste, mit 100 Abbildungen reich illustrierte Buch zeigt auf 176 Seiten ein vielseitiges Stadtporträt Pforzheims im Querschnitt durch die Geschichte. Porträts zahlreicher Manufakturen und Unternehmen der Schmuckbranche stellen den Bezug zur aktuellen Situation her und belegen die Lebendigkeit der Schmuckregion Pforzheim. (mw)

Metamorphosen: 250 Jahre Goldstadt Pforzheim,
Geschichte, Geschichten und Perspektiven.
Hamburg 2017, 176 Seiten, gebunden, 28 Euro.
ISBN 978-3-9818171-0-2

Verwandte Themen

Funkelnde Weihnachtszeit

Zehn Schmucklieferanten präsentieren ihre Empfehlungen für die besinnliche Zeit voller Glitzer und Glanz.

mehr

„In Memoriam HR Giger“

Die Bieler Uhrenmarke Strom hat ein neues Modell ihrer Agonium-Kollektion lanciert.

mehr

Rekord für Newmans Daytona

17,8 Millionen Dollar: Paul Newmans persönliche Rolex Cosmograph Daytona Ref. 6239 (ca. 1970) ist die teuerste Armbanduhr der Welt.

mehr