Lesezeit

2m 59s

Share

Schmuck im Fokus

Die Ausstellung „Schmuck – Material Handwerk Kunst“ im Landesmuseum Zürich (19.5.-22.10.) ist eine ausgezeichnete Gesamtdarstellung des Kulturphänomens Schmuck. Von dreierlei Seiten nähert sie sich diesem an: vom Schmuck-Material in all seinen Facetten, von den Schmuck-Trägern im kulturellen Wandel sowie von den Schmuck-Künstlern mit besonderem Blick auf das Schmuckschaffen der Schweiz.

 

Von Mitte Mai bis Mitte Oktober ist die Ausstellung „Schmuck. Material Kunst Handwerk“ im Landesmuseum Zürich zu besichtigen. Rund 750 Schmuckobjekte sind  in der aufwändig konzipierten Ausstellung zu entdecken, darunter vieles aus den Beständen des Nationalmuseums, Leihgaben anderer Museen, etwa aus dem Musée d’art et d’histoire in Genf, dem Mudac in Lausanne oder dem MAK in Wien, sowie Stücke privater Sammlungen. Das Material, die sich wandelnden kulturellen Massstäbe sowie die individuellen Eigenheiten verschiedener Juweliere und Schmuckkünstler rücken gleichermassen in den Fokus.

 

Pochelon Frères, Anhänger (um 1900). Türkis, Email, Gold und Silber, ziseliert und graviert, Barockperle. Bild: Musée d’art et d’histoire, Ville de Genève / Maurice Aeschimann

Material

Quer durch die Epochen – von der Eisenzeit bis in die Postmoderne – kann der Besucher kulturelle, technische und ästhetische Entwicklungslinien der Schmuckfertigung nachvollziehen. Im ersten Teil der Ausstellung, der dem Schmuck-Material gewidmet ist, wird viel Wissenswertes zu den unterschiedlichen Ausgangsmaterialien der Schmuckherstellung geboten. Dass sich deren Anzahl im Lauf der Geschichte deutlich erhöht hat, liegt auf der Hand. Nicht nur die kulturellen Normen, die früher fast ausschliesslich Gold, Silber und Edelsteine für die Schmuckherstellung vorsahen, wurden vielfältiger, auch die technischen Möglichkeiten und die Zahl der zur Schmuckherstellung tauglichen Materialien hat zugenommen. Trotz aller Materialfülle bleibt deutlich, dass „Schmuck immer mehr ist, als sein materialer Wert“, so die Co-Kuratorin der Ausstellung, Joya Indermühle. Auch in der heutigen Zeit hat sich Schmuck seinen kultischen und symbolischen Wert bewahrt, der über die reine Materialfunktion hinausgeht.

 

5-17_Jewellery_Landesmuseum_Zschaler_04-6---DIG-37856_LM-118487 5-17_Jewellery_Landesmuseum_Hansen_01-1---SZH-0686_DSC0054 5-17_Jewellery_Landesmuseum_Guebelin_03-5---DIG-39907_LM-873011 5-17_Jewellery_Landesmuseum_Burch-Korrodi_02-4---SZH-0087_LM-81616 5-17_Jewellery_Landesmuseum_Apotheker-Riggenbach_05-9---SZH-0056_DIG-37998_LM-82577
<
>
Gertrud Catinka Apotheker-Riggenbach, Fingerring (1960-1965). Gold, Email, Bergkristall.

Träger

Der zweite Ausstellungsteil, „Schmuck-Träger“, veranschaulicht die kulturellen Bedeutungsweisen von Schmuck im Wandel der Zeit. Als Konstante wird sichtbar, dass Schmuck immer stark körpergebunden gewesen ist. Dabei diente Schmuck den Trägern im Mittelalter und der Frühen Neuzeit meist als symbolischer Ausdruck für Glaube, Liebe oder Trauer. Ein illustres Beispiel aus dem frühen 19. Jahrhundert bildet Goethes Goldring an Wilhelmine „Minchen“ Herzlieb aus dem Jahr 1820, mit dem der Dichter um das Herz der 40 Jahre jüngeren Angebeteten warb. In die drei Steine Onyx, Karneol und Chrysoplast sind die Symbole Kreuz für Glaube, Herz für Liebe und Anker für Hoffnung eingraviert.

Kunst

Im dritten Bereich der Ausstellung, „Schmuck-Künstler“, wird deutlich, wie sich das Selbstverständnis der Schmuckhersteller im 20. Jahrhundert spürbar zu wandeln beginnt. Die Schmuckherstellung verändert sich von einer rein handwerklichen Arbeit in Richtung künstlerisches Schaffen. Kunst- und Modebewegungen nehmen immer mehr Einfluss auf die Schmuckkunst, der Goldschmied wird vom Handwerker zum Kunstschaffenden. Bedeutende Zentren und Protagonisten insbesondere der Schweizer Schmuckgeschichte stellt die Ausstellung mit verschiedenen Werken vor. Ebenfalls gezeigt werden Schmuckarbeiten „fachfremder“ Gestalter wie Max Bill, Alberto Giacometti oder Meret Oppenheim. Ebenfalls zu sehen sind zahlreiche Arbeiten von Juwelieren wie Gübelin oder Gilbert Albert sowie eine Vielzahl von Arbeiten zeitgenössischer Schweizer Goldschmiede und Schmuckdesigner. Videosequenzen, die in Zusammenarbeit mit den Goldschmiedelernenden an der Berufsschule für Gestaltung in Zürich entstanden sind und die Entstehung eines Rings im sequenziellen Ablauf zeigen, sowie eine originalgetreue Nachbildung des Goldschmiedeateliers der 2015 verstorbenen Zürcher Schmuckkünstlerin Antoinette Riklin-Schelbert runden die Ausstellung ab.

 

Info
www.nationalmuseum.ch

Verwandte Themen

Trade
 

Messejahr mit Fragezeichen

In welcher Form es 2021 in der Schweiz eine branchenübergreifende Messe geben wird, ist offen. Die Vicenzaoro und die Inhorgenta Munich stehen als neue Messezentren bereit.

mehr

Schmuck in der Coronakrise

Auch in Zeiten von Covid-19 waren unsere Goldschmiede kreativ und haben die Zeit für neue Schmuckstücke genutzt.

mehr

„Wir wollen die Branche zusammenzubringen“

Die GemGenève findet vom 5. bis 8. November im Genfer Palexpo statt.

mehr