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Der Präsident auf Tournee

Im Januar machte sich VSGU-Präsident Robert Grauwiller auf eine Reise von Chur über St. Gallen, Zürich, Luzern, Basel, Bern bis nach Lausanne. Bei diesen „Meet and Greet“ wollte er sich den Branchenmitgliedern zeigen, die Temperatur fühlen und die Sorgen der Basis aufnehmen.

Robert Grauwiller, wie war Ihre Meet-and-Greet-Tournee?

Äusserst spannend, aus meiner Sicht, hat sich die Reise durch die Schweiz absolut gelohnt. Ich durfte viele Leute aus allen Landesteilen kennenlernen und werde diese Kontakte auch in Zukunft pflegen. Es war mir eine Freude, den aktuellen VSGU präsentieren zu dürfen und damit hoffentlich auch Vorurteile abbauen zu können. Ich selber habe extrem viel erfahren und gelernt. Ich hoffe, dass wir nun möglichst viele Anliegen und Wünsche umsetzen und einige Vorschläge bereits an der kommenden Generalversammlung präsentieren können. Mein herzlicher Dank geht an alle, die sich die Zeit genommen haben, an einem Meet and Greet teilzunehmen und sich einzubringen.

Welche Idee stand hinter dieser Aktion?

Als ich für das Amt des Präsidenten kandidierte, war eines meiner zentralen Anliegen, mich dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder zu widmen. Der VSGU hat in den letzten Jahren wichtige Aufgaben im Bereich Aus- und Weiterbildung im Detailhandel, bei den Goldschmieden und Uhrmachern erfüllt. Er bringt sich in Vernehmlassungen ein, unterhält Kontakte mit den Branchenmitgliedern und kümmert sich um alles, was übergeordnet den Anliegen seiner Mitglieder dient. Neben all diesen Tätigkeiten, blieb der regelmässige, direkte Kontakt zu den Mitgliedern auf der Strecke. Um das zu ändern, entstand die Idee meiner Reise durch die Schweiz.

Einige Leute haben ja schon länger das Gefühl, dass der Verband zu wenig macht.

Solche Vorwürfe müssen sich wohl alle Verbände anhören. Es ist normal, dass die Mitglieder von all den Tätigkeiten im Hintergrund wenig bis gar nichts wahrnehmen. Vielen würde erst bewusst was der Verband leistet, wenn es ihn nicht mehr gäbe.

Wie sind die Treffen verlaufen?

Der Einladung folgten insgesamt 65 Mitglieder und Nichtmitglieder. In den einzelnen Städten kamen jeweils sechs bis zehn Personen, ausser in Zürich, dort folgten 17 Interessierte der Einladung. Überall genossen es die Anwesenden, sich bei Fingerfood und Getränken in einer ungezwungenen Atmosphäre auszutauschen. Der Ablauf war bei jedem Treffen fast identisch: Die Anwesenden bekamen ein Dossier, das den aktuellen Verband mit seinen fünf Kommissionen und drei aktuellen Projektgruppen vorstellt, deren Tätigkeiten beschreibt und auf pendente Probleme hinweist. Rasch entstanden jeweils Diskussionen, die interessanterweise an jedem Ort einen anderen Schwerpunkt beleuchteten.

Welche Themen gaben am meisten zu reden?

Eines davon war die VSGU-Mitgliedschaft. Da ging es unter anderem auch um den Mitgliederbeitrag. Das Reglement dazu entstand 2009, nachdem der Verband der Uhrenhersteller die Sumra gekündigt und den anteilmässigen Mitgliederbeitrag über die Uhrenlieferungen nicht mehr erhob. Es wurde vor allem bemängelt, dass das Reglement eine bessere Abstufung beinhalten sollte. Die Finanzkommission hat sich dem Anliegen bereits angenommen und versucht an der kommenden GV einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten.

Wurde auch über den „Röstigraben“ geredet?

Ja, in Lausanne wurde beanstandet, dass die Westschweiz vernachlässigt wird. Dass sich in der Romandie fast alle regionalen Sektionen aufgelöst haben, macht die Kontaktaufnahme für den VSGU nicht leichter. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst.

Warum ist es so weit gekommen, dass die VSGU-Mitglieder untereinander nur noch wenig Kontakt pflegen?

Als der Zentralverband ZVSGU vor Jahren über die regionalen Sektionen in einen Verband mit Direktmitgliedschaft umorganisiert wurde, hat man mit solchen Folgen wohl nicht gerechnet. Viele regionale Sektionen wurden aufgelöst. An einigen Orten bestehen noch Strukturen von Sektionen, die einer losen Verbindung unter den Mitgliedern dienen. Nur wenige Sektionen sind aktiv und führen regelmässig Anlässe durch. So gingen zahlreiche Mitgliedschaften und Wissen über die lokalen Tätigkeiten verloren.

Was gedenken die Verantwortlichen dagegen zu unternehmen?

Wir werden versuchen, in einem Organigramm die bestehenden Strukturen der Sektionen und Organisationen aufzuzeichnen, die sich teilweise auch unabhängig vom Verbande den regionalen Mitgliedschaften und Ausbildungsfragen widmen. Ein weiteres Wirkungsfeld sind ERFA-Gruppen, die den Zweck haben, mit gleich gelagerten Mitgliedern (z.B. Landgeschäfte, Uhrenfachgeschäfte mit Schwerpunkt Uhren-Reparaturen) Erfahrungsaustausch zu pflegen. Dort könnte der VSGU mit seinem Wissen als „Geburtshelfer“ agieren. Interessierte, die einer ERFA-Gruppe zugehören möchten, können sich beim Vorstand melden.

Kamen aus den Besucherreihen auch konstruktive Vorschläge?

Ja, es gab viele. Ein origineller Vorschlag kam von einem der vielen jungen Besucher. Er wünscht sich Treffen für U40. Hier wäre ich mit meinem Jahrgang ausgeschlossen, Geschäftsführer Markus Werner wäre jedoch noch dabei. Gerne nehmen wir diesen Input auf.

In den Medien geht es heutzutage oft um Ethik. Haben sich die Besucherinnen und Besucher auch darüber geäussert?

Ja, viele Mitglieder sind sich darin einig, dass der VSGU das Problem der Ethik proaktiv angehen muss, um für die nahe Zukunft gewappnet zu sein. Die Forderung lautet, den bestehenden Ethik-Codex der Aktualität anzupassen und bei den Mitgliedern das Bewusstsein für diese Thematik zu stärken. Die Themen werden in der Projektgruppe Qualitätslabel bereits bearbeitet. An der kommenden Generalversammlung werden die Vorschläge vorgestellt.

Welche weiteren Themen kamen zur Sprache?

Es wurde viel Spezifisches zu den drei Berufsgruppen Goldschmiede, Uhrmacher und Detailhandel diskutiert  (s. Boxen). Ein heutzutage immer wieder brennendes Kapitel ist zudem die Digitalisierung. Voten zu dieser Thematik betrafen den Onlinehandel, für dessen Begleitung es den Verband braucht. Ein Forum für den Austausch von Fragen und Antworten wäre für viele Mitglieder hilfreich. Es wurde angeregt, dass mit Stichwörtern wie „Goldschmied“, „Juwelier“ oder „Uhrmacher-Rhabilleur“ auf die Internetseite des Verbandes und seine Mitglieder hingewiesen wird. Unsere IT-Spezialisten nehmen sich dem Thema an.

Uhren
Unter dieser Rubrik hat Robert Grauwiller die stärksten Reaktionen und Inputs erwartet. Schliesslich sind Ersatzteillieferungen, SAV, Übermacht der Lieferanten oder die Ausbildung von Uhrmacher-Rhabilleuren in aller Munde. Doch da wurde er enttäuscht, Uhrmacher zeigten sich beim Meet and Greet nur wenige. „Ausser in St. Gallen wurden diese Themen fast nicht angesprochen. Das wird uns aber nicht daran hindern, uns weiter mit diesen Aspekten zu befassen“, so der Präsident.
Goldschmiede
Diese Berufsgruppe war an allen Treffen stark vertreten. Entsprechend wurden viele Themen, Fragen und Kritiken besprochen. Auch wenn der VSGU nicht für all diese Inputs zuständig ist, nimmt er sie auf und leitet sie gerne weiter. Hier gibt Grauwiller eine kleine Auswahl wider:
– Die Mehrwertsteuer wird bei der Führung eines Goldkontos und beim Bezug von Legierungen und Halbzeug nicht von allen Fabrikanten gleich verrechnet. Besteht für den Goldschmied ein Risiko? Der VSGU klärt ab und informiert in nächster Zeit.
– Der Wunsch wurde geäussert, dass CAD-Zeichnen künftig in die Ausbildung integriert wird.
– Durch die Zentralisierung der überbetrieblichen Kurse (üK) wurden bereits oder werden noch regionale Goldschmiede-Schulzimmer aufgehoben. Diese sind jedoch für regionale Schnupperkurse zwingend notwendig.
– Früher wurden Fasserkurse angeboten. Diese Dienstleistung sollte wieder aufgenommen werden.
– Es fehlt ein Angebot an Marketingkursen, die auf Goldschmiede zugeschnitten sind.
Detailhandel
– Viele Detaillisten leiden unter hohen Taxen bei der Einfuhr von Schmuck. Es scheint, dass diese Gebühren teilweise ohne Grund verrechnet werden. Der VSGU analysiert die Situation und hofft, diese Kosten in Zukunft mit Ratschlägen an die Mitglieder eliminieren zu können.
– In früheren Jahren wurden Batteriewechsel-Kurse angeboten. Zahlreiche Mitglieder erinnern sich daran und wünschen die Wiederaufnahme dieses Angebots. Im Verlauf dieses Sommers sollten die ersten Kurse ausgeschrieben werden.
– In die gleiche Richtung geht der Wunsch nach fachlichen Kursen für Quereinsteigerinnen im Verkauf. Der VSGU prüft, ob mit den üK-Strukturen im Detailhandel ein spezifisches Angebot ausgearbeitet und angeboten werden kann.
– Der VSGU wird aufgefordert, die Kurse der Watch Sales Academy zu fördern.
– Einige Mitglieder haben Probleme mit ihren Versicherungen. Branchenrelevante Risiken werden nicht mehr angeboten oder nur noch mit massiven Prämienanpassungen. Die Projektgruppe Sicherheit hat in den letzten Monaten verschiedene Angebote evaluiert und ist nun in den Schlussverhandlungen. Über ein Mitgliederangebot wird sobald wie möglich informiert.

 

 

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