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„Neue Handwerker braucht das Land“

Philippe Stutz kam über die Grundlagenforschung am Paul Scherrer Institut zum Kunsthandwerk. Mit 32 absolvierte der Feinmechaniker bei Goldschmied Stutz, dem Vater seiner Frau Jasmin, am Luzerner Schwanenplatz eine Lehre als Goldschmied. Seit 2018 führt er das Geschäft. Die Zeit, die ihm daneben noch bleibt, verbringt er mit seinen Kindern Maxime (2 ½ Jahre) und Camille (9 Monate). 

Ich bin dem VSGU beigetreten, weil eine Gruppe von Gleichgesinnten viel mehr erreichen kann als einer allein.

Mein wichtigstes Verbands-Thema ist ganz klar die Ausbildung. Neue Handwerker braucht das Land. Genau jetzt in diesen Krisenzeiten sollten mehr Fachleute ausgebildet werden. Dabei denke ich nicht nur an Gold- und Silberschmiede, sondern auch an Handgraveure und Steinfasser. Wenn das nicht geschieht, werden uns diese Leute in ein paar Jahren fehlen.

Künftig will ich mich auch im Verband vermehrt engagieren. Im Moment bilde ich eine Goldschmiedin aus. Ohne Coronavirus hätte ich auch für das soeben gestartete Schuljahr wieder eine Lernende ins Team aufgenommen.

Mein Alltag besteht aus tausend Handlungen. Leider habe ich zu wenig Zeit für Arbeiten an der Werkbank. Morgens kümmere ich mich zuerst um die Kinder, dann komme ich ins Geschäft, plane, organisiere und helfe dort, wo ich gerade gebraucht werde. Ich bin genauso ein Teil des Teams, wie alle anderen. Bei uns machen alle alles. Es gibt kein Verkaufspersonal, auch das erledigen die Goldschmiedinnen und Goldschmiede selbst. Dadurch profitieren die Kunden von ihrem Fachwissen, was durchwegs geschätzt wird.

Ich bezeichne mich selbst als Handwerker.

Besonders glücklich macht mich eine fertige Arbeit, die rundum gelungen ist – besonders dann, wenn ein komplizierter Auftrag einen aufwändigen Prozess erfordert hat und das Resultat die Kundin zum Strahlen bringt.

Verzichten könnte ich auf Kunden ohne Zeit. Es gibt Leute, die mit grossen Anliegen ins Geschäft kommen, sich für die Besprechung jedoch keine Zeit nehmen wollen. Solche Leute zufriedenzustellen kann schwierig werden.

Meine liebsten Schmuckstücke sind diejenigen, für die unsere Kunden selbst ein Tonmodell gefertigt haben, das wir anschliessend in Edelmetall umsetzen. Diese sind bis anhin alle bestens gelungen. Den Brautleuten beispielsweise, bereitet es immer eine besondere Freude, wenn sie sagen können: „Diese Ringe haben wir selbst entworfen.“

In meiner Freizeit, die momentan eher spärlich ausfällt, widme ich mich meiner Familie. Zum Ausgleich arbeite ich gerne in unserem Garten. Dort gibt es unter anderem Reben, Gemüse, einen Apfel-, Zwetschgen-, Feigen- und einen Olivenbaum. Bis vor kurzem habe ich mich leidenschaftlich gerne beim „Le Théâtre“ in Emmen engagiert, und zwar hinter, vor und auf der Bühne. Diese Projekte musste ich aus Zeitnot begraben.

Die Zukunft unserer Branche sehe ich im Handwerk und im Entstehungsprozess. Es ist wichtig, dass die Leute wissen, woher die Schmuckstücke kommen und wie sie gefertigt worden sind. Wir lassen unsere Kundschaft gerne daran teilhaben.

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