2021 hat Natascha Gisondi in Zürich ihre Goldschmiede „einzigartig kreativ“ eröffnet. Im Gespräch mit Gold‘Or erzählt sie, wie verschiedene Anstellungen und ein Raubüberfall sie geprägt haben und wie sie den fünften Geburtstag des Ateliers gefeiert hat.
In dieser Serie soll es nicht nur um die grossen, runden Geburtstage gehen. Gerade wer mit einem eigenen Betrieb in die Selbstständigkeit startet, feiert die ersten Schritte auf diesem Weg. Das gilt auch für Natascha Gisondi. Die Gold- und Silberschmiedemeisterin führt seit fünf Jahren eine Goldschmiede mit dem Namen „einzigartig kreativ“ im Kreis 6 in Zürich.
Ihre Lehre hat sie zwischen 2006 und 2010 bei Jakob Meier in der Goldschmiede Säuliamt in Affoltern am Albis absolviert. „Meier hat mir mal gesagt, Anfang 30 sei ein gutes Alter, um sich selbstständig zu machen“, erinnert sich Gisondi. „Da wusste ich aber noch nicht, dass ich diesen Rat mit 32 umsetzen würde.“

Nach zwei Weiterbildungsjahren in Deutschland, die sie mit dem Meistertitel und als diplomierte Gestalterin abschloss, folgten Anstellungen bei König Design in St. Moritz und im Haus Frischknecht in St. Gallen. „In St. Gallen habe ich als Atelierchefin neben der Arbeit an der Werkbank die wirtschaftlichen Aspekte hinter dem Handwerk kennengelernt. Davon profitiere ich heute“, führt Gisondi aus.
Bei ihrer nächsten Stelle verschlug es sie zurück in den Raum Zürich zum Juweliergeschäft Zinniker in Bülach. Dort ist 2017 das passiert, was jeder in der Branche im Hinterkopf hat – ein Raubüberfall. Die junge Goldschmiedin brauchte nach diesem Erlebnis eine Auszeit vom Beruf. Wieder Fuss fassen konnte sie anschliessend bei Anja Camenzind in Brunnen. Während Gisondi bei Artsupport ihr Wissen vertiefte, stand plötzlich die Frage im Raum, ob sie das Atelier ihres Lehrmeisters in Affoltern übernehmen wolle. Gisondi beschäftigte sich deshalb intensiv mit der Selbstständigkeit. Die lose geplante Übernahme fiel ins Wasser, doch der Grundstein war gelegt: Sie begann mit der Suche nach eigenen Räumlichkeiten. Und die hat sie an der Stampfenbachstrasse 159 gefunden. „Mir hat das Atelier auf Anhieb gefallen. Dank meinen Arbeitserfahrungen zuvor hatte ich eine klare Vorstellung von meinem Stil. Also habe ich es gemacht“, erzählt sie – betont aber auch, dass die Anfangszeit meist ein Kampf ist und Geduld braucht.

Im Quartier verwurzelt
Heute hat sich Natascha Gisondi einen festen Kundenstamm aufgebaut und ist im Quartier etabliert. Sie ist spezialisiert auf Einzelanfertigungen, die zu 100 Prozent in ihrem Atelier entstehen, sowie auf Umarbeitungen alter Schmuckstücke. Auch Workshops bietet sie an und begleitet Einzelne und Paare beim Schmieden ihrer Wunschkreation. Ihr Schaufenster gestaltet die Goldschmiedin regelmässig um und legt dabei Wert auf liebevolle Details. Auch ausserhalb ihres Ateliers ist sie aktiv: Mehrmals im Jahr stellt Gisondi auf Hochzeitsmessen aus und ist an Fotoshootings für Hochzeitsmagazine beteiligt. Neue Kunden finden häufig durch Empfehlungen den Weg zu ihr. Gisondi ist stolz, den fünften Geburtstag ihres Ateliers feiern zu können. Dieses Jubiläum hat sie Ende April gefeiert und ihre Kunden zu einem Apéro ins Gebäude des Quartiervereins eingeladen. Auch für die grauen Zellen gab es Futter: Dominik Kulsen stellte den Gästen die Welt der farbigen Diamanten vor. Edelsteine sind im Jubiläumsjahr auch Thema in Gisondis Newsletter: Jeden Monat teilt sie ihr Fachwissen zu einer Edelsteinfamilie. Warum beim Fest die farbigen Diamanten im Mittelpunkt stehen? Die Goldschmiedin lacht und sagt: „Weil viele meiner Kunden zuerst überrascht sind, dass es nicht nur weisse Diamanten gibt. Ausserdem kann ich mich so von der Bahnhofstrasse abgrenzen.“
Carina Andres



