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Wohin mit der Taschenuhr?

Bevor Uhren die Handgelenke eroberten, lasen Adel, Klerus und Bürgertum die Zeit fast 300 Jahre lang von Taschenuhren ab. Doch wohin kam das fragile Instrument zuhause? Eine Publikation von arnoldsche Art Publishers zeigt kunstvolle Behausungen für Taschenuhren.

Zuerst gehört eine Taschenuhr natürlich in die Tasche. Ein literarisches Beispiel findet sich im 1890 veröffentlichten Roman „The Sign of Four“, als Sherlock Holmes einen ihm unbekannten Mann als Alkoholiker identifiziert – und das nur anhand der Kratzer auf seiner Taschenuhr. Auch die Royal Pop, das Ergebnis der Zusammenarbeit von Swatch und Audemars Piguet, hat der Taschenuhr einen grossen Auftritt ermöglicht.

Barocke Taschenuhr mit emailliertem Zifferblatt, Frankreich, zwischen 1630 und 1650.
Barocke Taschenuhr mit emailliertem Zifferblatt, Frankreich, zwischen 1630 und 1650.

Ein kurzer Blick zurück. Tragbare Zeitmesser kamen im 15. Jahrhundert auf, nachdem der Federantrieb erfunden worden war. Im 17. Jahrhundert nahm ihre Verbreitung in den wohlhabenden Bevölkerungsschichten zu. Die Taschenuhren wurden zuhause als zusätzliche Zeitanzeige genutzt, sollten aber zugleich stilvoll in Szene gesetzt werden. Schliesslich handelte es sich um wertvolle Objekte, die Besucher durchaus bemerken durften. Eine zweibändige Publikation von arnoldsche Art Publishers ist Taschenuhrständern gewidmet. Deren Entstehungszeit – vom Barock bis zum frühen 20. Jahrhundert – wirkt sich stets in neuen Formen auf die Gestaltung aus. Grundlage ist eine süddeutsche Privatsammlung von mehr als 800 Objekten. Mit Erklärungen auf Deutsch, Englisch und Französisch und über 1200 Abbildungen bieten die Bücher einen grosszügigen Überblick über dieses bisher wenig beachtete Gebiet der Kunst- und Kulturgeschichte.

Für diesen Taschenuhrständer kamen in der DDR Sperrholz und roter Glasbruch zum Einsatz. 1970er Jahr, Höhe 27 Zentimeter. Foto: Bernd Bauer
Für diesen Taschenuhrständer kamen in der DDR Sperrholz und roter Glasbruch zum Einsatz. 1970er Jahr, Höhe 27 Zentimeter. Foto: Bernd Bauer

 

Wiederkehrende Motive

Der erste Band stellt den Begriff „Taschenuhrständer“ vor und geht der Entwicklungsgeschichte der Kunstobjekte nach, bevor die gängigen ikonografischen Gestaltungselemente einzeln aufgeschlüsselt werden: von christlicher Bildsprache über Tier- und Naturmotive hin zu Astrologie, Mythologie, Architektur und Gesellschaftsthemen. Anschliessend werden Bauformen, Techniken zur Fertigung und die verwendeten Materialien beleuchtet. Der zweite Band präsentiert die 843 Taschenuhrständer aus der Sammlung mit Bildbeschreibungen und zusätzlichen Informationen auf Deutsch. ca

 

arnoldsche.com

 

Titelbild: Höfisch gekleidetes Schäferpaar im Rokoko-Stil, Süddeutschland, um 1750, Höhe 37 Zentimeter. Laubholz, farbig gefasst, polimentvergoldet und -versilbert, grün gelüstert. Foto: Bernd Bauer

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