Die Gemworld Munich und die Munich Show zogen vom 22. bis 25. Oktober rund 51’000 Besucherinnen und Besucher an. In den Messehallen wurden Edelsteine und Schmuck gehandelt, Fachwissen vermittelt und Nachwuchstalente ausgezeichnet. Auch für persönliche Begegnungen blieb zwischen den Ständen Zeit.
Edelsteine betrachten, Qualitäten vergleichen und neue Bezugsquellen entdecken: Goldschmiedinnen, Juweliere, Designer, Edelsteinhändlerinnen und Gemmologen aus verschiedenen Ländern nutzten die vier Messetage für den Einkauf und den Austausch. Die Besucherzahl der Gemworld und der Munich Show lag mit mehr als 51’000 Eintritten über jener des Vorjahres. In den fünf Messehallen waren neben Edelsteinen und Schmuck auch Mineralien und Fossilien zu sehen. Insgesamt präsentierten über 1250 Aussteller ihre Sortimente.
In der Gemworld-Halle A1 präsentierten unter anderem Groh + Ripp, Claudia Hamann und Hermann Grimm ihre Sortimente. Im Eingangsbereich waren gemmologische Labore und Gesellschaften wie das Deutsche Diamantinstitut oder die Deutsche Gemmologische Gesellschaft zu finden, auch der Responsible Jewellery Council war mit einem kleinen Stand präsent.

Spezielle Stücke entdecken
Direkt am Eingang der Halle A1 zeigte die Hermann Grimm AG ihr Edelsteinsortiment. Inhaber Sebastian Grimm setzt auf die persönliche Begegnung an der Messe: „Wir haben viele besondere Stücke im Sortiment, die selten per Internet oder Telefon nachgefragt werden. Die müssen wir vor Ort zeigen.“ Einen bestimmten Stein, der zurzeit besonders gefragt sei, gebe es nicht, sagt der Händler aus Idar-Oberstein. Gekauft werde, was die Endkunden verlangten. Richard Brunk von Groh + Ripp bestätigt diese Beobachtung: Bei den Edelsteinen sei derzeit „alles erlaubt“. Anders als in früheren Jahren konzentriere sich die Nachfrage nicht auf einen bestimmten Stein oder eine einzelne Farbe.
Für Marcel Gebert war die Rückkehr nach München ein Meilenstein. Nachdem er 2025 den Young Designers Corner Award gewonnen hatte, präsentierte er seine neue Kollektion diesmal am eigenen Messestand in der New Design Area. „Edelsteine und Schmuck begleiten mich seit vielen Jahren. Es bedeutet es mir viel, dass ich meine Handschrift weiterentwickeln kann und Schritt für Schritt meinen Weg als Schmuckgestalter gehe“, sagt der Jungdesigner. Die Gespräche und das positive Feedback zu seinen Arbeiten hätten ihn dabei besonders gefreut.

Den diesjährigen Young Designers Corner Award erhielt Arash Asgari aus dem Iran für seine bewegliche Libellenbrosche „Dragonfly“. Das Haute-Jewellery-Stück aus Titan und Weissgold ist mit 445 Diamanten, schwarzem Onyx und Saphirglas besetzt. Den zweiten Rang belegte Sarah Weindl, den dritten Elveda Bayrak. Der Publikumspreis ging an Isabella Vincze.
Wissen und ein neuer Bereich
Auch abseits der Messestände gab es viel zu entdecken. Im Vortragsforum in der Halle A2 stellte Claudio Milisenda von der Deutschen Stiftung Edelsteinforschung ein neues Vorkommen von Paraiba-Turmalinen in Äthiopien vor. Tobias Wüthrich, Präsident der Facettierer Gilde Schweiz, präsentierte „RayCarve“, eine Software für Fantasieschliffen. Wer lieber in Geschichten als in Farbspektren und Schliffdiagramme eintauchte, war bei der Journalistin Annegret Moser richtig: Sie nahm ihr Publikum mit auf eine Edelstein-Reise durch Kunst und Kultur.
Erstmals war im hinteren Teil der Gemworld-Halle A1 ein eigener Numismatik-Bereich eingerichtet. Auf rund 6000 Quadratmetern widmete er sich Münzen, Medaillen, Banknoten und der Geldgeschichte. Die Bayerische Numismatische Gesellschaft zeigte dort die Ausstellung «Mit Sammleraugen – Die schönste Medaille!» mit Exponaten von der Antike bis zur Moderne. Fachvorträge im Forum der Halle A2 ergänzten das Angebot. So sprach Ursula Kampmann über Münzen als Zusatzsortiment im Schmuckfachhandel, während Falk Liebnitzky von CIT Coin Invest den Einsatz von Inlays in der modernen Numismatik vorstellte.
Publikum kürt facettierte Topase
Das Rahmenprogramm bot auch Gelegenheit, selbst aktiv zu werden: Die Pforzheimer Goldschmiedeschule lud zu Mitmachaktionen ein, während sich jüngere Besucherinnen und Besucher in der Halle B3 im Kinderprogramm mit der Welt der Steine vertraut machen konnten. An ihrem Messestand trug die Facettierer Gilde die „European Open“ aus. Zum zehnjährigen Bestehen dieses Wettbewerbs standen Topase im Mittelpunkt. Schleifer hatten ihre Arbeiten im Vorfeld eingereicht, nun konnte das Messepublikum seine Favoriten wählen. Das Ergebnis liefere auch dem Handel einen Hinweis darauf, welche Schliffe aktuell gefallen, sagt Tobias Wüthrich. Den ersten Platz belegte Robin Waridel, gefolgt von Vasily Makarov und Sascha Honeder.
Der Veranstalter zieht eine positive Bilanz: Neben dem Besucherplus hätten vor allem die Fachgespräche und die persönlichen Begegnungen die vier Messetage geprägt. Die nächste Gemworld Munich findet vom 14. bis 17. Oktober 2027 statt.
Tanja Wenger


