Die Edelstein- und Schmuckmesse GemGenève, die Anfang Mai zum zehnten Mal stattgefunden hat, war ein Erfolg. Die Mehrheit der Aussteller zeigte sich zufrieden mit der Frequenz und der Qualität der Kontakte. Vor rund zehn Jahren nahm die GemGenève ihren Anfang mit der Vision, einen Anlass im Sinne der Aussteller zu lancieren und einen Ort mit persönlichem, familiärem Charakter zu schaffen. Diesem Anspruch will die GemGenève auch in Zukunft treu bleiben.
Ronny Totah und Thomas Faerber, die beiden Gründer der GemGenève, formulierten es am Jubiläumsabend, der mit einer Cocktailparty im Innenhof des Musée d’art et d’histoire in Genf gefeiert wurde, charmant und offen. Wenn sie vor bald zehn Jahren, als die Idee einer eigenen Messe ihren Anfang nahm, gewusst hätten, welche Dimension ihr Projekt annehmen würde, wer weiss, ob sie sich auf das Abenteuer eingelassen hätten. Im Nachhinein weiss man, augenzwinkernd, meist etwas mehr. Beziehungsweise ist es im Fall der GemGenève ein Glücksfall, dass man dies im Voraus eben nicht wusste.

Heute zählt die GemGenève weltweit zu den angesehensten Edelstein- und Schmuckmessen. Das Niveau der Aussteller und des Sortiments, das diese an der Messe zeigen, ist ausserordentlich. Ida Faerber und Nadège Totah, zusammen mit ihren Vätern Co-Gründerinnen der GemGenève, blicken mit besonderen Erinnerungen auf die Zeit zurück, in der das Projekt konkrete Gestalt annahm. Natürlich habe man sich zu Beginn nicht unbedingt vorstellen können, dass die GemGenève derart gross und bedeutsam würde, so Ida Faerber. Aber das ursprüngliche Konzept sei, so der rückblickende Eindruck, schon sehr ausgereift und durchdacht gewesen.
Die Perspektive der Branche
Wichtig sei zudem gewesen, dass man von Anfang an eine gemeinsame Vision hatte und etwas Aussergewöhnliches schaffen wollte. Grundlegend blieb, dass man sich in den grossen Linien stets einig war und zielgerichtet und mit Elan nach vorne ging: Mit dem gemeinsamen Willen, einen Ort für die Aussteller zu schaffen. Und zwar für Aussteller, die meist kleine Unternehmen sind, nicht selten auch Familienunternehmen. Entsprechend stand der persönliche und familiäre Charakter, der die Messe auszeichnet, von Anfang an im Zentrum, so Ida Faerber. Ein Kernelement, das bis heute geblieben ist.

Bei der Gründung war auch entscheidend, dass die Organisatoren die Messewelt aus ihrer eigenen, jahrzehntelangen Erfahrung als Aussteller und Besucher sehr gut kannten. So konnten sie selbst genau festlegen, welche Aspekte sie bei einer Messe gut finden und welche nicht, und damit einen Anlass formen, der optimal auf die Bedürfnisse der Händler ausgerichtet ist. Auch die äussere Form, beispielsweise in Gestalt schöner, eleganter Stände und Vitrinen, war ein Kernelement. Das möge selbstverständlich klingen, so Ida Faerber, sei aber keineswegs auf allen Messen rund um den Globus eine Selbstverständlichkeit. Entsprechend viel Aufmerksamkeit schenken die Organisatoren der GemGenève bis heute der Präsentation des Sortiments der einzelnen Aussteller.
Ein Schlüsselmoment
Die allererste Messe im Mai 2018 ist den Organisatoren in besonderer Erinnerung geblieben. Man kann im Vorfeld Vieles planen, doch jeder Anfang bleibt ein Stück weit ungewiss. Ida Faerber erinnert sich, dass die Messe sich bei der ersten Austragung vom ersten Tag an so präsentiert habe, wie sie sich das während der Planung vorgestellt hatte. Einerseits durch das durchwegs stilvolle Ambiente, aber auch durch die intime und familiäre Stimmung, die sich durch die Gesamtheit der Aussteller und ihrer Produkte auf Anhieb ergab.

Dass die Messe heute an diesem erfolgreichen Punkt steht, ist keine Selbstverständlichkeit. Nach dem euphorischen Start und den beiden ersten Austragungen im Mai 2018 und 2019 folgte 2020 mit der Covid-Zeit eine kritische Phase. Im Mai 2020 und 2021 konnte die GemGenève nicht stattfinden, kein idealer Moment für eine derart junge Messe. Entsprechend wichtig war es, in der zweiten Hälfte 2021 das Unmögliche zu versuchen. „In meinen Augen war die „Challenging Edition“ im November 2021 ausschlaggebend für den weiteren Verlauf“, so Ida Faerber. Aufgrund der unklaren Situation hatte man erst sehr kurzfristig entschieden, eine Messe durchzuführen. Unter zeitlichem Hochdruck und mit Anfang November zu einem bislang ungewöhnlichen Zeitpunkt. Der Mut und der Aufwand haben sich gelohnt. „In diesem Moment haben viele Aussteller realisiert, was für einen Wert und was für eine Vision die GemGenève für die Branche und für die Aussteller darstellt“, so Ida Faerber. Viele Aussteller verstanden, dass es den Messeorganisatoren nicht nur um das Geschäftliche geht, sondern auch darum, einen Ort der Begegnung mit besonderem emotionalem Flair zu bieten, getragen von gegenseitigen Respekt unter den Händlern.
Damit verbunden steht auch das Anliegen der Organisatoren, dem Nachwuchs an der GemGenève eine Plattform zu bieten. Verschiedene Preise in Verbindung mit den Westschweizer Berufsfachschulen, dem HEAD Genf und der Fondation Eric Horovitz werden jeweils am letzten Messetag der GemGenève verliehen. Darüber hinaus bietet die sie jungen, internationalen Schmuckdesignern eine wichtige Plattform, ihre Kreationen zu präsentieren. Neben dem ausführlichen Rahmenprogramm rund um die Welt der Gemmologie und der Schmuckkreationen präsentiert die GemGenève zudem jedes Jahr eine sehenswerte Ausstellung mit aussergewöhnlichen Kreationen. Dieses Jahr war sie unter dem Titel „Façonner la matière, sublimer“ / „Shaping matter, enhancing beauty“ der Schönheit des Handwerks und dem Reichtum des Kunsthandwerks und der materialen Bearbeitung gewidmet.
Die nächste GemGenève findet 2027 vom 11. bis 14. Mai statt.
Marcel Weder


