Die Schweizer Uhrenindustrie nistet sich mehr und mehr im Luxussegment ein, das galt auch für das Jahr 2025. Zur allgemeinen Tendenz höherer Preise und schwindender Stückzahlen gesellt sich die aktuelle Unvorhersehbarkeit des Weltgeschehens.
Glimpflich davongekommen, so lässt sich das Schweizer Uhrenjahr 2025, gemessen an den Exportzahlen, umschreiben. Mit einer Exportsumme von total 25,5 Milliarden Franken präsentiert sich die Bilanz nicht katastrophal: 4,5 Prozent unter dem Wert des Rekordjahrs 2023, und 1,9 Prozent unter jenem des Vorjahrs, ist man alles in allem – bis auf Weiteres – mit einem blauen Auge davon gekommen.
„Oh tariffs, my tariffs“
Dabei hatte das Jahr just zur Watches & Wonders mit einer Hiobsbotschaft begonnen. US-Präsident Trump verkündete am 2. April seine Weltzölle, die Schweiz bekam 31 Prozent, im August folgten 39 Prozent. Der November-Deal verschiedener Schweizer Industrieller (darunter Rolex, Richemont und Breitling) brachte schliesslich 15 Prozent. Obwohl das Thema das Jahr prägte, folgte gemessen an den Exportzahlen zahlenmässig für die USA kein Einbruch: Mit 4,3 Milliarden Franken lag der Wert lediglich 0,5 Prozent unter dem bisherigen US-Höchststand von 2024, und war sogar 4,6 Prozent höher als 2023. Der US-Einbruch dürfte jedoch verzögert für das kommende Jahr erfolgen (der Januar lag bereit um 14 % zurück). Und der laufende Iran-Krieg dürfte für weitere Turbulenzen sorgen. Das Exportland, das 2025 von den Top-10 der grössten Ausfuhrmärkte mit einem Plus von 3,5 Prozent am meisten zulegte, waren die Emirate.
Anhaltende Bieler Baisse
Der gemessen an den Stückzahlen grösste Schweizer Uhrenkonzern, die Swatch Group, büsste im laufenden Jahr weiter an Terrain ein. Der Umsatz lag mit 6,28 Milliarden Franken 5,9 Prozent unter dem Vorjahr. Im bisherigen Rekordjahr (2014) hatte der Bieler Konzern noch 9,2 Milliarden Franken erzielt. Dies entspricht einem Rückgang um 31,7 Prozent in elf Jahren – während Marktführerin Rolex ihren Umsatz in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt hat und heute bei über elf Milliarden Franken jährlich liegt (ohne Tudor). Und selbst wenn Omega, wie es die Swatch Group andeutet, 2025 umsatzmässig die zweitstärkte Schweizer Marke gewesen sein sollte, bringt das nichts, wenn andere Bereiche zurückgehen. Hier ist insbesondere das untere und mittlere Preissegment gemeint. Hervorragende Produkte, wie die PRX von Tissot, geben insgesamt zu wenig Gegensteuer.
Explosion der Preise
Mit Blick auf die gesamte Schweizer Uhrenindustrie ergab sich ein weiterer Rückgang der Stückzahlen. Die Zahl der exportierten Zeitmesser lag 2025 noch bei rund 14,6 Millionen Stück. Im Vorjahr waren es 15,3 Millionen. Im langfristigen Vergleich ist bemerkenswert, dass vor allem die Zahl der elektronischen Uhren deutlich zurückging: 2006 waren es 21,1 Millionen, 2025 noch 9,4 Millionen. Bei den Stückzahlen der mechanischen Uhren zeigte sich eine andere Entwicklung: Wurden vor 20 Jahren noch rund 3,7 Millionen exportiert, verdoppelte sich diese Zahl innert zehn Jahren auf über 8,1 Millionen (2014), ehe sie auf heute 5,2 Millionen zurückging (-3% ggb. 2024). Interessant ist Folgendes: Während der Durchschnittspreis der exportierten mechanischen Uhren zwischen 2005 und 2014 mehr oder weniger stabil bei rund 2000 Franken pro Uhr lag, hat er sich seither verdoppelt und lag 2025 bei 4009 Franken pro Uhr. Ob es ein Zufall ist, dass just im September 2014 die erste Apple Watch angekündigt worden war, wäre genauer zu prüfen.
Insgesamt tut die Schweizer Uhrenindustrie gut daran, wieder mehr auf Volumina zu setzen, die Kauffreude der internationalen Konsumenten selbstverständlich vorausgesetzt. Denn allein mit Haute Horlogerie und konzerngeführter Luxusindustrie lässt sich das engmaschige Netz der Schweizer Uhrenindustrie nicht aufrecht erhalten.
Marcel Weder


