Bei den aktuellen Modeuhren für Damen fallen ovale Gehäuseformen auf, dazu kleinere Grössen und zierliche Armbänder. Die Vorreiter dieser Entwicklung sind grosse Namen aus der Branche, die auch heute noch mit femininen Zeitmessern an der Grenze zwischen Uhr und Schmuck begeistern.
Wer diesen Herbst die Bestseller des schwedischen Herstellers Daniel Wellington anschaut, entdeckt sie weit oben in der Auflistung: kleine, zierliche, ovale Damenuhren. Sie heissen Ophelia Mini oder Juliette, mit Gehäusegrössen von 20 bis 26 Millimetern. Auf der Seite von Christ tauchen mit dem Filter „ovale Gehäuseform“ auch das Modell Sammy der britischen Marke Coach, die Sloan von Fossil oder die Twisted Bezel von Calvin Klein auf.

Die erste Armbanduhr
Die ovale Form hat eine lange Geschichte, die im Jahr 1810 beginnt. Damals gibt Caroline Murat, Schwester von Napoleon Bonaparte und Königin von Neapel, bei der 1775 gegründeten Manufaktur Breguet eine Armbanduhr in Auftrag. Bis heute gilt die Uhr, die 1812 fertigstellt wurde, als die erste Armbanduhr der Geschichte. Leider fehlt nach 1855 jede Spur von dem Stück, das unter der Referenz 2639 bekannt ist.
Im Archiv des Hauses Breguet sind keine Skizzen erhalten, dafür einige Vermerke zum Auftrag und zu frühen Wartungen. Diesen Aufzeichnungen zufolge handelte es sich um eine „längliche, für ein Armband geeignete Repetieruhr“ mit Ankerhemmung und guillochiertem Zifferblatt aus Silber mit arabischen Ziffern. Im Jahr 2002 hat Breguet mit der Linie „Reine de Naples“ (Königin von Neapel) eine Neuinterpretation der mysteriösen Ref. 2639 geschaffen. Als historisch originalgetreu gelten sicher die ovale Gehäuseform und das dezentrale Zifferblatt bei sechs Uhr.

Badewanne oder Opernloge?
Nach den eckigen Erfolgsmodellen Tank und Santos hat Cartier 1958 eine schlanke Schmuckuhr mit voluminöser Lünette, festem Armband und römischen Ziffern lanciert. Damals hiess sie Ovale Cintré, doch 1973 wurde die Uhr umbenannt und ist seither als Baignoire bekannt. Zur Wahl dieses neuen Namens kursieren zwei Hypothesen: Entweder hat die Formsprache des Gehäuses an eine Badewanne erinnert oder der Begriff bezieht sich auf die Logen im Parkett der Pariser Oper, die ebenfalls so bezeichnet wurden. Die Uhr ist mit einem Quarzwerk des Kalibers 159 ausgestattet und wird aus 18-karätigem Gold gefertigt. Offensichtlich war die Baignoire auch die Vorlage für die schon erwähnte Modeuhr von Calvin Klein.
Im September hat Blancpain das 70-jährige Jubiläum seiner kugelförmigen Ladybird Bullet mit einer neuen Damenuhr gefeiert, der Lady B. In beiden Uhren, der alten und der neuen, ist das Automatikwerk Kaliber 615 verbaut, das zu den kleinsten Werken überhaupt gehört. Ungewöhnlich ist auch das integrierte Durchzugsarmband, das sich zweimal um das Handgelenk der Trägerin windet. Im Unterschied zum Wettrennen um möglichst flache Gehäuse bekennt Blancpain sich mit der Lady B zum Volumen der Kreation – stolze 2.9 Kubikzentimeter – und zeigt damit eine weitere Facette der Schmuckuhr. Carina Andres


