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Uhrenexporte wie 1999

Der Rückgang der Schweizer Uhrenexporte im ersten Halbjahr ist historisch. Um satte 35,7 Prozent gingen die Exporte wertmässig zurück und beliefen sich auf 6,869 Milliarden Franken. So tief war die Exportsumme letztmals 1999. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) sieht die Ursachen in erster Linie in der „effektiven Unterbrechung der Warenflüsse“ und weniger in einer „echten Veränderung der Nachfrage“. Dies ist eine optimistische Interpretation der Marktlage.

Die FH formuliert gleichzeitig deutlich, dass die Folgen der aktuellen Krise sich nachhaltig auf die Tätigkeit der Branche auswirken werden. Allerdings würden die Zahlen vom Juni (-35,1%) bereits wieder einen leichten, wenn auch zaghaften Aufwärtstrend erkennen lassen, so die FH. Anzufügen ist dem, dass vor allem China im Juni mit einem Plus von 47,7 Prozent mit einem deutlichen Kompensationseffekt nach oben tendierte. Alle anderen Kernmärkte zeigten auch im Juni weiterhin deutlich nach unten.

Unsicherheitsfaktoren

Insbesondere die Hauptmärkte USA und Hongkong lagen mit einem Minus von 54,6 beziehungsweise 57 Prozent auch im Juni massiv unterhalb des Vorjahrs. Gerade diese beiden zentralen Märkte sind aufgrund politischer Faktoren zusätzlich von Unsicherheit geprägt. Kurz- bis mittelfristig ist von ihrer Seite daher kaum mit einem starken Kompensationseffekt zu rechnen. Auch der Kernmarkt Japan lag im Juni mit einem Minus von 50 Prozent noch deutlich unter dem Vorjahr. Gleiches gilt für Deutschland (-21,3%), Grossbritannien (-44,7%) und Frankreich (-39,6%), die sich im Juni ebenfalls noch deutlich unter dem Vorjahr bewegten.

Die FH betont wohl mit Recht, dass die Rückkehr zur Normalität der Schweizer Uhrenindustrie viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Notabene der internationale Tourismus, so die Prognose der FH, kehre frühestens in drei Jahren zur Normalität zurück. Dazu gilt zu sagen, dass die aktuelle Situation nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die Schweizer Uhrenindustrie sich mit strukturellen Problemen konfrontiert sieht, die bereits lange vor Covid-19 entstanden sind: Hier ist in erster Linie der Absatz bei den Uhren im unteren und mittleren Preissegment zu nennen, der seit Jahren ein Sorgenkind der helvetischen Industrie ist. Diesbezüglich verschärft sich die negative Entwicklung weiter, wobei die Corona-Krise diesen Trend zusätzlich verstärkt hat: Insbesondere bei den Uhren zwischen 200 und 500 Franken Exportwert war der Rückgang mit einem Minus von rund 50 Prozent markant. Die Zahl gesamthaft exportierter Uhren ging damit mit einem Minus von 44,9 Prozent ebenfalls stärker zurück als der Exportwert selbst. Und dies, obwohl die Stückzahlen bereits in den Vorjahren massiv rückläufig waren.

Die grosse Konkurrenzuhr, die Apple Watch, der die Schweizer Hersteller bislang nichts Äquivalentes entgegenzusetzen hatten – ausser Floskeln wie „alles halb so schlimm“ oder „die Apple Watch ist keine Uhr“ – hat gleichzeitig weiter an Terrain gewonnen. Der Allerweltsuhr Apple kommt zugute, dass sie geradezu prädestiniert ist für den Onlineverkauf und die aktuelle Situation dieses Kaufverhalten fördert.

Prognose für den weiteren Jahresverlauf

Die FH rechnet für das ganze Jahr mit einem Rückgang von etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspräche für das zweite Quartal einem Rückgang um etwa 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Prognose entsprechend würde sich das ganze Jahr auf einen Gesamtexportwert von etwas über 15 Milliarden Franken belaufen. Nur im „Finanzkrisenjahr“ 2009 war der Exportwert mit 13,2 Milliarden zuletzt tiefer. Ob diese Prognose eintrifft, steht allerdings noch in den Sternen.

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