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Die meisten Uhren lügen

Für viele ist die dunkle Jahreszeit mit Herausforderungen verbunden: Kurze Tage mit wenig Licht schlagen aufs Gemüt. Obwohl die Einführung der standardisierten Zeit viele Vorteile hatte, gab es im 18. Jahrhundert Uhrmacher, die der Sonnenzeit die Treue hielten.

Um 1600 hat der deutsche Astronom Johannes Kepler herausgefunden, dass die Bahnen der Planeten nicht kreisförmig sind, sondern elliptisch. Das mag uns heute nebensächlich vorkommen. Seinerzeit war die Entdeckung aber ein grosser Schritt auf dem Weg vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild. Und so gehört die antike Vorstellung von der Erde im Zentrum des Sonnensystems heute längst der Vergangenheit an.

Warum dieser Exkurs in die Astronomie? Die elliptische Bahn unseres Planeten und andere Faktoren wie die Neigung der Erdachse beeinflussen unsere Zeit. Weil sich der Abstand zur Sonne im Laufe des Jahres verändert, muss sich auch unsere Zeitrechnung ändern. So wurden die Uhren immer wieder umgestellt, um auf die veränderten Gegebenheiten der Natur zu reagieren – allerdings nicht so strukturiert wie heute mit der Sommer- und Winterzeit, sondern eher im kleinen, lokalen Rahmen. Das brachte organisatorische Probleme mit sich, die schliesslich mit der Einführung der „mittleren Zeit“ gelöst wurden. Diese Zeiteinheit fusst auf einem Durchschnittswert der Sonnenzeit und bleibt deshalb das ganze Jahr über konstant. Heute ist die mittlere Zeit die Standardreferenz für die weltweite Zeitmessung.

Nur wenige Uhrmacher hatten im 18. Jahrhundert den Anspruch, die „wahre“ Zeit zu zeigen statt der mittleren. Eins der wenigen Überbleibsel ist die Standuhr vom Londoner Uhrmacher William Scafe, die um 1730 hergestellt wurde und sich heute im Inventar des Furtwanger Museums befindet. Ihre mechanische Herausforderung war es, den ungleichmässigen Gang der Erde um die Sonne zu berücksichtigen. Scafe hat dazu ein Pendel verwendet, das im Laufe des Jahres verlängert und verkürzt werden konnte. Trotz allen Vorteilen der standardisierten Messung: Wenn man in der dunklen Jahreszeit lange vor Sonnenaufgang aus dem Haus muss, weil die Uhr es sagt, klingt eine Rückbesinnung auf die „wahre“ Zeit auch heute verlockend. ca

deutsches-uhrenmuseum.de

 

Titelbild: Die elliptische Bahn der Erde um die Sonne ist dafür verantwortlich, dass nicht jeder Tag gleich lang ist.

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