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„Ein erfreulicher Markteintritt“

Unter dem Label Hesse Lab vertreibt der Perlenspezialist Hesse GmbH & Co. KG aus Nordrhein-Westfalen Schmuck mit synthetischen Diamanten. Ein Jahr nach der Markteinführung zieht Carl Raffael Hillejan, Mitglied der Geschäftsleitung, ein positives Fazit: Die Schweizerinnen und Schweizer zeigen mehr Interesse als erwartet.

Gold’Or: Herr Hillejan, Sie haben das Sortiment von Hesse um ein Label mit synthetischen Diamanten erweitert. Der deutschen Fachpresse gegenüber haben Sie sich zufrieden gezeigt. Gilt das auch für die Schweiz?
Carl Raffael Hillejan: Unser Kerngebiet Deutschland läuft sehr gut. In der Schweiz, wo der Markt eher traditionell und hochwertig orientiert ist, haben wir vor einem Jahr einen zaghaften Eintritt erwartet. Das Gegenteil war der Fall, die Nachfrage der Fachhändler ist erfreulich. Interessant ist, dass die Zuwächse von Anfang an prozentual höher waren als in anderen Märkten, zum Beispiel in Osteuropa.

Weshalb soll der Fachhandel Hesse Lab ins Sortiment nehmen?
Ich sehe den natürlichen und den im Labor gewachsenen Diamanten als zwei verschiedene Produkte für unterschiedliche Kundengruppen. Schmuck mit Labordiamanten eignet sich für alle, die ihr Sortiment im mittleren Preissegment erweitern wollen. Wer mehr Angebot hat, erreicht auch mehr Kundschaft.

Die Schmuckstücke sind in Gold gefertigt. Lohnt sich diese Kombination, wenn der Goldpreis steigt und der Preis für synthetische Diamanten fällt?
Auf jeden Fall. Gold garantiert Wertstabilität. Ich rate immer, mit diesem Edelmetall zu arbeiten. Der vielfach kommunizierte Preiszerfall bei den Labordiamanten ist relativ zu sehen. Die Lieferkette und die Zertifikate bestimmen den Preis mit, zudem steigt die Nachfrage weltweit. Für die Konsumentinnen und Konsumenten ist die Kombination interessant, da sie mehr Spielraum innerhalb ihrer Budgetgrenze haben.

Synthetische Diamanten sind aber keine Wertanlage.
Es ist richtig, dass synthetische Diamanten nicht als klassische Wertanlage zu verstehen sind. Im hier relevanten Preissegment spielt dieser Aspekt allerdings in der Praxis kaum eine Rolle. Bei Schmuckstücken in diesem Bereich existiert in der Regel kein Zweitmarkt, der eine werthaltige Veräusserung ermöglicht. Der Wiederverkaufswert ergibt sich meist aus dem Materialwert von Gold und gegebenenfalls kleinen Steinanteilen. Das gilt für Labordiamanten ebenso wie für kleine natürliche Diamanten. Die Kaufentscheidung ist daher primär eine Frage von Gestaltung, Grösse, Wirkung und persönlicher Präferenz, nicht von Kapitalanlage oder späterem Wiederverkauf.

Wie sieht es bezüglich tieferer Goldlegierungen als 750 aus?
Während wir Gold 585 im Angebot haben, haben wir uns aus Qualitätsgründen gegen 375 entschieden. Wir sehen, dass sich die Nachfrage auch in der Schweiz verschiebt und die Akzeptanz für tiefere Legierungen wie auch für künstlich hergestellte Diamanten steigt.

Ein Kritikpunkt an synthetischen Diamanten ist, dass sie nicht klar deklariert werden und zu Unrecht als besonders nachhaltig bezeichnet werden.
Als zuverlässiger Fachhandelspartner ist es uns wichtig, dass der Verbraucher nicht getäuscht wird. Jedoch halte ich Begriffe wie „Labordiamant“ oder „im Labor gewachsener Diamant“, also die Übersetzung des im Englischen gängigen Begriffs „Lab Grown Diamond“, nicht für irreführend. Die Bezeichnung „synthetischer Diamant“ ist historisch negativ konnotiert und wird von vielen Verbrauchern mit Imitaten wie Zirkonia gleichgesetzt. Das wird dem Produkt nicht gerecht, da es sich physikalisch, chemisch und optisch um einen echten Diamanten handelt – mit einem anderen Entstehungsprozess.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung dieses Segments?
Unsere Branche tut sich keinen Gefallen, wenn sie einen Kampf um dieses Thema führt, wie früher bei den natürlichen und den in der Zucht gewachsenen Perlen. Heute bestehen diese zwei Märkte nebeneinander und ich gehe davon aus, dass das bei den Diamanten auch bald der Fall sein wird. Der im Labor hergestellte Diamant hat zu viele Vorteile, als dass wir ihn grundsätzlich ablehnen könnten. Selbstverständlich wird es immer Fachhändler geben, die Schmuck mit Labordiamanten für sich ausschliessen, was eine legitime Entscheidung ist. Für unser Unternehmen ist das kein Widerspruch, da wir sowohl natürliche als auch im Labor gewachsene Diamanten anbieten.

Hesse ist in erster Linie als Perlenspezialist bekannt. Sie waren zum Jahreswechsel zum Einkauf in Japan. Was gibt es Neues in diesem Bereich?
Perlen bleiben unser Kern. Wir arbeiten seit Jahrzehnten eng mit ausgewählten japanischen Produzenten zusammen und konnten auch bei unserem letzten Einkauf aussergewöhnliche Qualitäten für die kommenden Messen sichern. Der Markt ist anspruchsvoller geworden, hochwertiges Material ist deutlich selektiver verfügbar. Gerade deshalb werden die Auswahl, Sortierung und Herkunft immer entscheidender. Unsere Stärke liegt darin, unseren Partnern genau diesen kuratierten Zugang zu bieten: ausgewählte Qualitäten, nachvollziehbare Herkunft und eine Sortimentsstruktur, die im Verkauf funktioniert.

Carl Raffael Hillejan

Tanja Wenger

hesse-co.com

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