Die MCH Group wagt den Neustart und kündigt gemeinsam mit Informa Markets die Basilia Jewellery & Watch Fair an. Die Veranstaltung soll sich von der Baselworld unterscheiden, auf Schmuck fokussieren und ihre Premiere im April 2027 in den Hallen der Basler Messe feiern.
Sieben Jahre nach dem Ende der Baselworld will die MCH Group ins Geschäft mit den Uhren- und Schmuckmessen zurückkehren. Das Unternehmen kündigte am Donnerstag, 18. Juni, an einer Pressekonferenz in Basel die Lancierung der Basilia Jewellery & Watch Fair an. Die erste Ausgabe soll vom 8. bis 11. April 2027 weitgehend zeitgleich mit der Watches & Wonders (5. bis 11.4.) in der Halle 2 der Messe Basel stattfinden.
Mit der neuen Plattform, die noch nicht abschliessend als Fach- oder Publikumsmesse definiert ist – diese Entscheidung soll zusammen mit den Ausstellern fallen –, unternimmt die MCH Group den Versuch, Basel wieder als internationalen Treffpunkt der Schmuck-, Edelstein- und Uhrenbranche zu positionieren.
Zwischen Ost und West
Für die Rückkehr setzt die MCH Group auf die Partnerschaft mit Informa Markets, der Veranstalterin von internationalen Fachmessen wie der Jewellery & Gem World Hong Kong. Gemeinsam wollen sie mit Basilia eine Plattform schaffen, die die Verbindung zwischen asiatischen Herstellern und europäischen Absatzmärkten stärken soll.

Für die Premiere rechnen die Organisatoren mit mehr als 400 Ausstellern. Namen nennt Roman Imgrüth, CEO Exhibitions & Events der MCH Group, in seiner Rede keine, da die Verträge erst noch unterschrieben werden müssen. Er weist aber darauf hin, dass man die Strategie der neuen Messe „nicht im Alleingang“ entwickelt habe. Im Fokus stehen dieses Mal nicht die grossen Uhrenmarken, sondern der Schmuckbereich sowie Uhrenmarken im mittleren Segment. Das Messeportfolio soll rund 50 Prozent Schmuck sowie je 25 Prozent Edelsteine und Uhren umfassen. Die Gerüchteküche brodelt bereits, selbst Namen wie die Swatch Group sind gefallen. Branchenkenner meinen zudem, dass es für den Erfolg der Veranstaltung wichtig wäre, dass auch der Pavillon des Hong Kong Trade Development Council (HKTDC) nach Basel zurückkehrt.
Auch inhaltlich setzen die Veranstalter auf ein neues Konzept. Statt klassischer Messehallen soll Basilia als eine Art Messestadt mit Themen- und Länderquartieren gestaltet werden, im ersten Jahr unter dem Motto „under construction“. Geplant sind unter anderem Bereiche für Schmuck, Edelsteine und Uhren sowie Bezirke, die von Handelszentren wie Hongkong, Bangkok, Jaipur, Antwerpen oder Mailand inspiriert sind.
Neue Leitung will sich abgrenzen
Ob Basilia an frühere Erfolgsgeschichten in der Kulturstadt am Rhein anknüpfen kann, muss sich weisen. Das Image der MCH Group ist ramponiert und die vielfach diskutierten Fehltritte der ehemaligen Baselworld-Leitung rund um Sylvie Ritter hallen nach. Roman Imgrüth grenzt sich von seinen Vorgängern ab und gibt an, vieles anders machen zu wollen. „Ich glaube, dass Vertrauen über die Zeit aufgebaut wird. Wir müssen zu unserem Wort stehen und unsere Versprechen halten“, sagt er gegenüber der Basler Zeitung. Nach intensiven Gesprächen sei er zudem überzeugt, dass Basel vielen ehemaligen Ausstellern als Messeplatz in guter Erinnerung geblieben sei und auch die Stadt in Bezug auf Hotel- und Restaurantpreise etwas gelernt habe, was sich schon bei der Art Basel zeige. Dies nicht zuletzt, weil sich Basel Tourismus Kontingente gesichert habe.
Demgegenüber steht, dass sich die internationale Messewelt seit 2020 stark verändert hat. Genf hat sich als Standort für mehrere Branchen-Veranstaltungen von Uhren über Edelsteine bis zur Technik etabliert. Gleichzeitig haben sich Fachmessen wie die Vicenzaoro und die Inhorgenta entwickelt und an Bedeutung gewonnen. Es wird sich zeigen, ob Basel als Standort für eine internationale Uhren- und Schmuckmesse noch einmal Strahlkraft entwickeln kann.
Tanja Wenger


