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Neue Erfahrungen vernetzen, reflektieren und präsentieren

Gegen Ende des zweiten Lehrjahres findet für die Lernenden der Schulregion Zürich jeweils eine Projektwoche statt. Diese wird von Fabrefactum und der Gaum-Langemann-Stiftung grosszügig unterstützt. In diesem Jahr haben zehn Lernende unter der Leitung von Cyrill Weber und Jenny Scheidegger Silber geschmiedet.

Nach dem Schmieden wurden die Objekte in der Schule fotografiert, danach wurden die Bilder bearbeitet. Die Klasse GO24 reflektiert die Erfahrungen dieses kompetenzübergreifenden Projekts und setzt sie in Zusammenarbeit mit dem allgemeinbildenden Unterricht in Text und Bild in einer Broschüre um – sowie in Form dieses Beitrags für die Gold’Or.

Gemeinsame Erlebnisse schmieden die Klasse zusammen
Bericht von Seline und Manon

Am Montagmorgen um neun Uhr besammelte sich die Goldschmiedeklasse der Schulregion Zürich am Bahnhof in Basel. Mit Rollkoffern und Rucksäcken ging es direkt in die Werkstatt bei der Schule für Gestaltung. Die Lernenden machten sich sofort an die Arbeit und tauchten in die Welt der Silberschmiedekunst ein.

Erst gegen Abend traf die Klasse in der gemütlichen Jugendherberge im St. Alban-Quartier am Rhein ein. Dort bezogen sie ihre Mehrbettzimmer und nutzten anschliessend die Gelegenheit die Umgebung zu erkunden. Durch die teilweise lange Anreise sowie den anstrengenden ersten Arbeitstag kehrte am ersten Abend früh Ruhe ein.

Ein besonderes Highlight des Aufenthalts war das reichhaltige Frühstück, das jeden Morgen gemeinsam genossen wurde. Gestärkt startete die Klasse anschliessend in den Tag. Der Weg zur Werkstatt führte mit der St.-Alban-Fähre „Wild Maa“ über den Rhein. Die freundliche Fähri-Frau hatte einen süssen Hund, der die Herzen der Klasse zum Schmelzen brachte, wenn er die Klasse täglich mit einer intensiven Kuschelrunde begrüsste.

Nach der Arbeit in der Werkstatt blieb genügend Zeit, die „neue“ Stadt gemeinsam zu entdecken. Der Aufenthalt führte sie in verschiedene Lokale und der Abendverkauf am Donnerstag wurde von vielen genutzt, um durch die Geschäfte zu schlendern. In der Jugi genossen auch Klassen aus anderem Schulen ihre „Schulreise“, was ein grossartiges Kräftemessen im Tischtennis und Zeichnen entfachte. Auch das gemeinsame Abendessen im „Klara“ war ein besonderes Erlebnis. Das vielfältige Angebot bot für alle etwas Passendes und sorgte für einen lustigen gemeinsamen Abend.

Neben dem fachlichen Lernen wurde während dieser Woche auch der Zusammenhalt innerhalb der Klasse gestärkt. Die gemeinsame Zeit trug dazu bei, dass sich die Lernenden besser kennenlernen konnten. Dadurch wurde der Aufenthalt für alle Beteiligten zu einer wertvollen Erfahrung.

„Jeder Hammerschlag hat die Form verändert.“ (Annina, Teilnehmerin der Projektwoche)
„Jeder Hammerschlag hat die Form verändert.“ (Annina, Teilnehmerin der Projektwoche)

Mit Hammer, Kraft und Konzentration zum eigenen Silberobjekt
Bericht von Romina, Enya und Leona

Silberschmieden ist eine körperlich sehr anstrengende Technik und dies bekamen die Lernenden die ersten Tage zu spüren. Nicht nur die physische Anstrengung, sondern auch die mentale Konzentration, die das Erlernen eines neuen Handwerkes erfordert, brauchte viel Energie. „Besonders das Aufziehen war sehr anstrengend“, meinten die Schüler/-innen.

Mittels „Aufziehen“ kann aus einem flachen Blech ein Becher geformt werden. Das Prinzip ist simpel. Man arbeitet sich vom Boden spiralförmig nach oben. Durch die Hammerschläge wird das Material gestaucht und verdichtet. Zwischen den Arbeitsgängen wird das Werkstück geglüht, somit ist das Material für die Weiterverarbeitung geeignet. Dieser Prozess wird wiederholt, bis das Arbeitsstück die gewünschte Höhe erreicht.

Nach dem Aufziehen wird die Form planiert und zur Ergänzung auch ziseliert. Durch verschiedene Hämmer kann die Oberfläche unterschiedlich verschönert werden. Eine zusätzliche Möglichkeit zur Oberflächengestaltung ist das Ziselieren. Dabei wird das Silber auf Kitt in verschiedene Richtungen und in verschiedenste Muster getrieben. Diese Technik kann das Erscheinungsbild nochmals stark verändern. Zur Oberflächenvollendung wird das Objekt aussen und innen mit unterschiedlichen Bürsten und einem passenden Schleifmittel an einem Poliermotor geschliffen. Je nach Vorliebe wird das Werkstück zudem noch poliert.

Zu Beginn der Woche waren die Lernenden unsicher, wie aus einem flachen Blech ein plastischer Körper entstehen soll. Sie hatten alle keine Vorkenntnisse zu den Abläufen des Silberschmiedens. Doch diese Unsicherheit legte sich, sobald sie an das Thema herangeführt wurden. Die ersten Tage waren intensiv und Erschöpfung machte sich bei einigen bemerkbar. Nach den ersten zwei Tagen haben sich Bewegungsabläufe jedoch gefestigt und der Hammerschlag wurde immer präziser. Die Begeisterung war gross, als sie das Endresultat in den Händen halten konnten.

„Silber kann ganz weich und verformbar sein, aber auch starr und stabil. Es reagiert auf Hammerschläge mal mit einer sanften Verformung, kann aber auch reissen und stur sein.“ (Linda, Teilnehmerin der Projektwoche)
„Silber kann ganz weich und verformbar sein, aber auch starr und stabil. Es reagiert auf Hammerschläge mal mit einer sanften Verformung, kann aber auch reissen und stur sein.“ (Linda, Teilnehmerin der Projektwoche)

Praxisprojekt Fotografie – vom Shooting zur Bildbearbeitung
Bericht von Marin und Leon

Die Lernenden haben mit Omar Gerhardt, dem Fotografie-Lehrer der Schule für Gestaltung Zürich, während zwei Schultagen fleissig ihre Objekte fotografiert. Eine nicht ganz einfache Aufgabe mit dem kontrastreichen, spiegelnden und glänzenden Silber. Doch die Motivation war gross: Styroporplatte hier, Licht dort – das Objekt stand im Mittelpunkt. Nun war das Setting startklar und auch Blende, Verschlusszeit und Brennweite waren in der Kamera eingestellt, um das „perfekte“ Bild zu schiessen.

Um das Bild eine Woche später optimal bearbeiten zu können, wurde es im RAW-Format fotografiert. Dieses digitale Bildformat speichert alle Informationen zu Lichtverhältnissen, Farben und Bilddetails. Die Schülerinnen und Schüler experimentierten mit verschiedenen Gestaltungsmitteln, um das Stück optimal in Szene zu setzen. Dabei kamen auch andere Fragen auf, wie zum Beispiel: „Schwarzer oder weisser Hintergrund?“ Ein anderer Lernender sagte: „Ich wollte, dass man die Kontur gut erkennt, also mehr Schatten hier und da – und ruckzuck war der Morgen vorbei.“

Am nächsten Schultag stand die Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop auf dem Programm. Es ging darum, das Foto so zu bearbeiten, dass es für Broschüren, Webseiten und Social Media bereit ist. Die Lernenden optimierten die Bilder am Laptop mit verschiedenen Einstellungen wie Belichtung, Kontrast, Tiefen oder Schärfe, um die Objekte noch besser wirken zu lassen.

Innerhalb kurzer Zeit wurde den Lernenden das Thema Fotografie verständlich vermittelt und sie durften dabei sehr viel lernen. Sie empfanden es als willkommene Abwechslung zu den anderen Themen im Berufskundeunterricht. red.

Silberschale mit Steinfuss: hergestellt, inszeniert und fotografiert von Leon.
Silberschale mit Steinfuss: hergestellt, inszeniert und fotografiert von Leon.
„Das Muster, das entsteht, wenn Regen auf eine Wasseroberfläche fällt, begeistert mich schon lange. Mein Ziel war, diese vergänglichen fliessenden Momente mit meiner Arbeit festzuhalten.“ (Lena, Teilnehmerin der Projektwoche)
„Das Muster, das entsteht, wenn Regen auf eine Wasseroberfläche fällt, begeistert mich schon lange. Mein Ziel war, diese vergänglichen fliessenden Momente mit meiner Arbeit festzuhalten.“ (Lena, Teilnehmerin der Projektwoche)

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