Anfang Juni hat der jährliche vom VSGU organisierte Branchentreff stattgefunden. Neben Themen des Verbands standen vier Fachvorträge auf dem Programm. Dazwischen blieb Zeit für den geselligen Austausch.
Der Verband der Schweizer Goldschmiede- und Uhrenfachgeschäfte (VSGU) lädt einmal im Jahr zum ungezwungenen Treffen ein. Das Format Branchentreff hat am achten Juni zum dritten Mal stattgefunden und den rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit geboten, sich ausserhalb des Geschäfts- und Werkbankalltags auszutauschen. Durch die Vorträge und Fragen führte Nina Hänsli von der Wamag.
Der Abend begann mit den aktuellen Themen des Branchenverbands. Die Co-Präsidentinnen Andrea von Allmen und Susanna Hospenthal blickten zurück auf die Strategietagung des Vorstands, stellten die Zuständigkeiten und jüngsten Wahlergebnisse vor und warben für das verbandseigene Q-Label, das die Qualität der Branche einheitlich nach aussen kommunizieren soll. Bei der Online-Mitgliederbefragung im Mai waren der Vorstand und das Co-Präsidium wiedergewählt und so in ihrem Tun bestätigt worden.

Papiergold, Diamanteneinkauf und Uhren für Gen Z
Den ersten Vortrag hielt Michael Müller von der Valiant-Bank, der den Goldkurs aus der Perspektive der Anleger und Investoren beleuchtete. Dabei wurde deutlich, dass sich Gold anders verhält als andere Anlageklassen. In der Sprache der Finanzbranche ist das Edelmetall ein neutraler Vermögenswert, der getrieben von hoher Inflation, unsicherer geopolitischer Lage und zunehmender Verschuldung noch immer hoch im Kurs ist. Hinzu kommt seine physische Begrenztheit. Müllers zaghafte Prognose: Der Goldkurs könnte noch eine Weile auf seinem jetzigen Kurs bleiben, wenn sich an den treibenden Faktoren nichts ändert und die Notenbanken weiter strategisch Gold kaufen.
Tobias Lanz, seit über drei Jahrzehnten im Diamanteinkauf bei Bucherer, sprach in seinem Referat über die neue Dynamik im Diamantmarkt, die mit der Einführung von Synthesen im Schmuckbereich um 2012 Einzug gehalten hat. Der enorme Preisverlust von Labordiamanten – in nur zehn Jahren ist der Preis um 98,2 Prozent gefallen – sollte allen Branchenmitgliedern, die Diamanten kaufen und verkaufen, Anlass zum Nachdenken bieten.
Iris Kuhn-Spogat, Leiterin des Uhren-Ressorts beim Wirtschaftsmagazin Bilanz, unternahm mit den Zuhörern eine Reise durch die Uhrenlandschaft. Ihre Leitfrage: Welche Marken haben Zukunft? Zugrunde lag die unumstrittene Feststellung, dass die starken Marken noch stärker werden, während die mit kleinerem Marktanteil darum kämpfen müssen, diesen zu halten. Als Lichtblick für die Branche interpretierte Kuhn-Spogat die jüngste Kooperation zwischen Swatch und Audemars Piguet, die zeige, wie gross das Interesse an Uhren sei. Frischer Wind wehe zudem eine neue Zielgruppe herbei: Die Generation Z, die sich für Uhren interessiert. Und obwohl die Recherche im Netz beginnt, sei der stationäre Handel vielfach der Ort, wo gekauft wird.

Authentisch, nicht perfekt
Samuel Kirchhof von der Zürcher Agentur Webrepublic war bereits beim Branchentreff vor zwei Jahren Referent, wusste sich also in der Branche zu bewegen. Dieses Mal gab er Tipps für die digitale Sichtbarkeit von kleinen bis grossen Ateliers und Fachgeschäften – trotz oder auch dank künstlicher Intelligenz. Immer noch sei Google Marktführer. Ein gepflegtes Business-Profil mit Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Rezensionen sei deshalb weiterhin ein relevantes Aushängeschild. Was in Zukunft passiert, könne niemand wissen. Die Tendenz gehe aber zu einer Approximation der Funktionalitäten: Google bindet eigene KI-Lösungen direkt mit ein, sodass Nutzer keine anderen Dienste mehr aufrufen müssen. Für das einzelne Geschäft sei entscheidend, die eigene Zielgruppe zu kennen und zu wissen, wie man sie erreicht. Authentizität ist dabei besser als Perfektion, findet Kirchhofer – und ermuntert so zum Teilen von Werkstattvideos, Vorher-Nachher-Bildern und anderen Einblicken, die die Kundschaft ködern.
Es folgte die Verabschiedung von Daniel Nicklès, der lange Jahre als Vorstandsmitglied, Präsident der Sektion Bern und Leiter der Uhrenkommission tätig war. Wie Robert Grauwiller in seiner Laudatio betonte, geht sein Engagement in die Zeiten des ZVSGU zurück; den heutigen VSGU gibt es seit 2007. Die Einladung zum Grill-Apéro nach Ende der Vorträge nahmen die Anwesenden gerne an.
Carina Andres


