Die jungen Goldschmiedinnen und Goldschmiede haben sich an der 20. Schweizer Meisterschaft gemessen. In der Kategorie Design stand die Aufgabe unter dem Thema „Entropie – Chaos in der Ordnung, Ordnung im Chaos“. Gefordert war ein tragbares Schmuckstück mit Namen und Konzept, ein von KGK Suisse gesponserter Salt&Pepper-Diamant musste eingearbeitet werden.

Der grosse Preis
Das Siegerstück „Volte Face“ von Justine Aubry (CPNE-AA École d’Arts Appliqués, La Chaux-de-Fonds) aus filigran geflochtenen, quadratischen Metallstücken – einem sogenannten Ringflechtwerk – erinnert an ein stoffliches Objekt. Es begreift Entropie als dynamisches Schwanken zwischen Formgebung und Formlosigkeit. Das weichfallende Metallgewebe wird als Fingerschmuck getragen und ändert mit der Bewegung der Hand seine Form; es fällt in sich zusammen oder hängt nach unten, sammelt sich auf dem Handrücken oder rutscht quer über die Finger. Genauso wie es zwischen Ordnung und Chaos oszilliert, changiert es zwischen Schmuckstück, Stoffschlauch oder Abendtäschchen. Der Diamant, eigentlich der Höhepunkt des Schmucks, erscheint nur gelegentlich im Zentrum. Das Wettbewerbsthema ist handwerklich souverän und mit Sorgfalt umgesetzt. Darüber hinaus wird die Vorstellung von Schmuck auf die herausgefordert, da sich das Objekt letztlich seinem schmückenden Zweck verweigert.

Der Konzeptpreis
„ΔS“ (Delta S) von Vladislav Sukhorukov (École technique de la Vallée de Joux) besteht aus einer mehrteiligen, geschwärzten, glattpolierten Silberbrosche und erfasst den Moment, in dem sich die Ordnung gerade auflöst, aber das Chaos noch nicht eingetreten ist. Die quecksilbrige Brosche verkörpert den Augenblick der Explosion und hält zentrifugale und zentripetale Kräfte in perfekter Balance. Das Zentrum der Brosche bildet eine kompakte Kugel. Sie trägt den Diamanten wie das Auge des Sturms, während sich die Energiewellen ausbreiten und die präzise Geometrie ausfranst. Drei zusätzliche Pins können als erweiterte und zugleich aufgelöste Reste der konzentrischen Ringe auf den Körper gesetzt werden. Überzeugt hat die Jury, dass die Struktur des Schmuckstücks nicht nur das Wesen der Entropie darstellt, sondern die Kräfte am Wirken mit ihrer offenen Form vergegenwärtigt.

Der Jurypreis
Das Collier von Julie Baumeler (CPNE-AA École d’Arts Appliqués, La Chaux-de-Fonds) aus geschmiedetem Silber sowie geklebten und genähten textilen Verbindungen entfaltet sich buchstäblich aus einem geschichteten Quadrat zu einem Halsband, in dessen Zentrum der kleine Diamant prangt. In leichthändiger Umsetzung des Themas präsentiert sich der fliessende Übergang – daher auch das Wortspiel des «Abspulens» (Débobiné) – von Ordnung zu Unordnung und umgekehrt. So leicht der Schmuck in seiner Struktur scheinbar lesbar ist, so anspruchsvoll ist es, ihn wieder korrekt zusammenzufalten, damit er zu seiner ursprünglichen Form findet und in die Quadratform passt. Das unprätentiöse Schmuckstück vereint spielerische Leichtigkeit und bewusstes Nachdenken über die klassische Form des Colliers. Dabei offenbart es konzeptuelle Schärfe verkleidet im Charme des Einfachen.

Belobigung – „Kontrollierte Demontage“: Ahmad Torkmany,
CFP Arts, Genève

Belobigung – „Homo Duplicata“: Noa Gerber,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Fonte des équilibres“: Mirko Hayoz,
Chopard & Cie SA, Meyrin

„L’œuf“: Gabriel Sanchez,
Chopard & Cie SA, Meyrin

„Bleu Éternel“: Eloane Laydu,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„Consume“: Manon Lorenzini,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„ ->(s) { s.chars.tally.values.sum { |n| -n.fdiv(s.size) * Math.log2(n.fdiv(s.size)) } }“: Léa Pilatti,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Ma chambre“: Dana Vantaggiato,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„JBP, dit Molière“: Alma Cavadini,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Das Herz der Schöpfung“: Léa Bernerd,
CFP Arts, Genève

„Falsche Realität – Fausse Realité“: Elliot Banegas Castro,
CFP Arts, Genève

„Der Auslöser“: Anaïs Aranda,
CFP Arts, Genève

„Zusammenhalten“: Nina Sofia Strahm,
Dorisschmuck, Bern

„Neurodégénérescence“: Anna Manzoni,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„Unda“: Maximilien Muller,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„Entropie der Macht – wenn Ordnung zerbricht“: Alisha Götzer,
Péclard Suisse SA, Zürich

„Archiv“: Charlotte Frisch,
Beat Lehmann Goldschmied, Basel

„Was bleibt“: Ella Stingelin,
Beat Lehmann Goldschmied, Basel

„Gegensätze der Natur“: Nuri Rey,
Meister 1881 AG, Zürich

„Filum Vitae“: Mathéo Choffat,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Point de rupture“: Adélie Mya Burkhalter,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Dépérissement“: Emmie Guillet,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Ewiges Gleichgewicht“: Severin Roth,
Stutz Design GmbH, Luzern

„Wenn Zeit stillsteht“: Delia Streule,
Gut AG, St.Gallen

„Propagation“: Anthime Chatagny,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„Le revers de la médaille“: Margaux Comté,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„Dégradation“: Léance Simonet,
Dress Your Body, Corcelles-Cormondrèche

„Leiser Impuls“: Saya Holdener,
Goldschmiede Benno Heinzer, Schwyz

„Trous noirs, créateurs d’univers“: Loïc Bauermeister,
CPNE-AA Pôle Arts Appliqués, La Chaux-De-Fonds

„La fonte des glaces“: Olivia Geiser,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„De la patience à l’impatience“: Alexandra Novet,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„Or, Mercure, Sang & Diamant“: Ugo Magnin,
École Technique de la Vallée de Joux, Le Sentier

„Order is a Choice“: Aylin Lisa Hiller,
Obsession Schmuck & Objekte AG, Wetzikon

„Benigner paroxysmaler “: Juçara Caceres Morales,
Fellow Jewels, Basel

„Fixpunkt “: Gael Kleist,
Goldschmiede Creationen, Studen


