Im Konzert der Grossen spielt die unabhängige Uhrenmarke Oris aus Hölstein seit Jahrzehnten erfolgreich vorne mit. Seit der Gründung 1904 ist Unabhängigkeit ein zentraler Teil der Marke. CEO Rolf Studer über die Besonderheiten von Oris.
Gold’Or: Rolf Studer, wie würden Sie Oris in wenigen Sätzen beschreiben?
Rolf Studer: In kurzen Worten würde ich sagen: Die unabhängige Marke aus Hölstein. Spannende Mechanik, die Sinn macht, und dies alles zu Preisen, die fair sind.
Unabhängigkeit ist ein häufig genanntes Merkmal von Oris. Wie wichtig ist sie?
Unabhängig zu sein ist für uns sehr wichtig, weil es eben mehr ist als die reine Tatsache, nicht Teil einer Gruppe oder eines Venture-Capital-Unternehmens zu sein. Für uns ist Unabhängigkeit eine Haltung. Unabhängigkeit heisst Verantwortung. Unabhängigkeit heisst, seine Werte leben zu können. Und Unabhängigkeit heisst, langfristig für das Unternehmen das zu tun, was man als richtig empfindet, und sich nicht verbiegen zu müssen. Es bedeutet aber auch Anstrengung, sowie die Verpflichtung immer 100 Prozent zu geben. Das geht, weil wir alle bei Oris diese Unabhängigkeit leben und mit einer gemeinsamen Haltung nach vorne drängen können.

Wie läuft es derzeit?
Die Zeiten sind für die Uhrenindustrie aus vielfältigen Gründen nicht ganz einfach. Konflikte rund um den Globus, wirtschaftliche Unsicherheiten, der starke Schweizer Franken, veränderte Konsumenteninteressen, all dies bereitet der Uhrenbranche Sorgen. Aber auch hier sehen wir, dass klare Botschaften und überzeugende Produkte entscheidend sind. 2025 war auch für uns anspruchsvoll, im laufenden Jahr sehen wir aber von Monat zu Monat eine Verbesserung. Zur Jahresmitte waren die Ergebnisse sehr gut. Ich bin zuversichtlich, dass die Wolken sich mehr und mehr lichten.
Was sind wichtige Zielmärkte von Oris?
Sicher die USA, aber auch Europa, Grossbritannien, Frankreich und die Schweiz sind wichtige Märkte. Gerade die Schweiz hat sich sehr positiv entwickelt in den letzten Jahren.
Und welche Vertriebsstrategie verfolgen Sie?
Traditionell sind wir ein starker Partner des Fachhandels, das sind wir immer gewesen und werden es immer bleiben. Dazu haben wir ein eigenes Boutique-Netz, in der Schweiz mit Geschäften in Basel, in Zürich und an unserem Sitz in Hölstein. Persönlich bin ein grosser Enthusiast unabhängiger Multibrand-Fachgeschäfte. Hier kann man mit jemandem reden, der unabhängig ist. Das entspricht unserem Esprit. Entsprechend glaube ich an deren Zukunft.
Wie sehen Sie das Zielpublikum von Oris?
Ich würde sagen, unsere Kunden sind Menschen mit unabhängigem Geist, die ein mechanisches Produkt suchen, mit Komplikationen, die Sinn machen. Und mit einem dazu passenden Preis. Der Kunde, der eine Oris trägt, strahlt dies aus. Er steht für seine eigenen Entscheidungen und geht gerne seinen Weg. Das hat auch nicht unbedingt mit dem Alter im biologischen Sinn zu tun. Wir sind eine Marke, die in ihrer über 120-jährigen Geschichte immer versucht hat, jung und neugierig zu bleiben und Neues zu entdecken. Ich denke, das gilt auch für unsere Kunden und ihre Einstellung dem Leben gegenüber.

Oris hat sich auch früh im Bereich Nachhaltigkeit engagiert.
Das bleibt ein wichtiges Thema, auch wenn es etwas aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden ist. Was nicht heisst, dass die Problematiken nicht weiter existieren. Das Thema betrifft das Ökologische, etwa indem wir unsere CO2-Emissionen substanziell reduziert haben. Nachhaltigkeit heisst aber auch soziale Verantwortung. Gerade haben wir zu Ehren des ikonischen Spielers der New York Yankees, Lou Gehrig, der an der Muskelkrankheit ALS verstorben war, eine Sonderedition der Big Crown Pointer Date lanciert. Ein Teil der Erlöse gehen an die Lou and Eleanor Gehrig Family Foundation, die sich für die Forschung im Bereich ALS engagiert. Wichtig ist uns bei unseren Engagements jedoch immer, nicht belehrend zu wirken, sondern zu inspirieren.
Welche Uhrwerkstrategie verfolgt Oris?
Unsere Strategie fusst auf drei Pfeilern. Zum einen sind dies eingekaufte Schweizer Kaliber, die Serien 700 und 500. Dann das Kaliber 400, – unser eigenes Automatikwerk mit fünf Tagen Gangreserve, antimagnetisch, mit zehnjähriger Garantie und zehnjährigem Serviceintervall –, diese fertigen wir mit verschiedenen Komplikationen. Sowie das Kaliber 110, unser Handaufzugskaliber mit zehn Tagen Gangreserve und non-linearer Gangreserven-Anzeige. Auch dieses gibt es in mehreren Varianten mit verschiedenen Komplikationen.
Ein Highlight dieses Jahr ist die Artelier Complication. Was war die Motivation?
Artelier ist eine Linie, die wir seit Langem in unserer Kollektion haben. Die letzten Jahre lagen generell sportlich geprägte Uhren im Trend. Gleichzeitig spüren wir, dass die Kunden sich auch wieder für klassischere Uhren interessieren. Entsprechend haben wir unsere Artelier-Linie überarbeitet, verjüngt und mit frischer Energie aufgeladen und an der Watches & Wonders neu präsentiert. mw


