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„Messen müssen Neuentdeckungen ermöglichen“

Marco Carniello, Global Exhibition Director Jewellery & Fashion der Italian Exhibition Group und als solcher auch Leiter der Vicenzaoro, ist überzeugt, dass Messen in Zukunft wichtig bleiben. Ein Schlüsselfaktor sei aber, dass sie ihre Rolle ausweiten und auch dem Networking, eingeflochten in eine angenehme und stimulierende Event-Atmosphäre, viel Gewicht beimessen.

Gold’Or: Marco Carniello, die Zukunft von Messen im Uhren- und Schmuckbereich, wie sieht diese aus?

Marco Carniello: Wir sprechen bei der Vicenzaoro immer von vier Säulen, wenn wir unsere Strategie und unser Konzept beschreiben. Der erste und traditionellste Bereich ist selbstverständlich, an einer Messe Angebot und Nachfrage zusammenzubringen – die klassische Messefunktion also. Die zweite Aufgabe sehen wir in unserer Rolle als Informations-Plattform, mit Seminaren, Podiumsgesprächen, Podcasts und Daily News rund um Trends und Aktualitäten, also gewissermassen die Vermittlung von fach- und branchenrelevantem Wissen. Wir fokussieren uns aber dabei bewusst auf Qualität und eine exklusive Auswahl guter Redner und Podiumsteilnehmer

Roberto Coin präsentiert in Vicenza neue Ohrhänger mit Türkis aus der Kollektion Princess Flower.

Und wo liegen die weiteren Schwerpunkte?

Als Messe ist es unsere Aufgabe, die Bedürfnisse des Handels abzudecken. Diese gehen heute über den reinen Einkauf hinaus. Deshalb liegt ein weiterer Schwerpunkt unserer Strategie in der konkreten Wissensvermittlung. Es gibt heute Händler, die kommen an eine Messe, weil sie ein Zertifikat erwerben wollen in einem Seminar oder einem Blockkurs, um damit über mehr Kompetenz zu verfügen und um ein besserer Händler zu werden. Im Uhrenbereich haben wir beispielsweise dieses Jahr Kurse in Zusammenarbeit mit der Genfer FHH, der Fondation de la Haute Horlogerie, angeboten. Und zusammen mit der Cibjo fand dieses Jahr ein Kurs im Bereich „Sustainable Management“ statt

Und der vierte Schwerpunkt?

Der vierte Grundpfeiler schliesslich bildet der ganze Bereich des Networkings. Dies verbinden wir jeweils mit Kooperation mit der Stadt Vicenza und organisieren Events, wo sich die Leute in angenehmer Atmosphäre in der Stadt oder auf der Messe treffen können. Gerade dieser Networking-Teil ist wichtig geworden. Sie können heute Produkte auch in einem Zoom-Call effizient kaufen. Aber die ganze Ambiance und das Zusammenkommen mit vielen verschiedenen Menschen fehlt vollständig. Deshalb sehen wir den Onlinebereich nicht als Bedrohung, sondern als Messlatte, die wir übertreffen wollen, um den Einkäufern an der Messe das bestmögliche Einkaufserlebnis bieten zu können.

Wie laufen die Vorbereitungen für die Januar-Austragung?

Im Januar wollen wir im Schmuckbereich in der Haupthalle 7 zurückkehren zu einem klassischeren Standkonzept, wo Marken mit ihren Ständen wieder verstärkt die Möglichkeit des Brandings haben. Teile des aktuellen Konzepts mit den einheitlicheren Ständen werden aber erhalten bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir zudem davon aus, dass wir im Januar wieder auf die sehr guten Zahlen vor der Covid-Pandemie kommen werden. Zudem gehen wir davon aus, dass die Kunden aus dem asiatischen Raum im Januar wieder nach Vicenza kommen. Das macht einen grossen Unterschied.

Welche Aussichten sind im Uhrenbereich geplant?

Wir werden den „VO Vintage“-Bereich, so wie er sich jetzt in der oberen Etage präsentiert, im Januar wieder durchführen. Dazu lancieren wir parallel das neues Uhrenformat „Time“ für Atelier- und Nischenmarken im zentralen Hallenbereich der Messe. Der Uhrenbereich „VO Clock“, den wir im vergangenen Januar erfolgreich lanciert hatten und für den wir sehr gute Rückmeldungen seitens vieler Uhrenmarken bekommen haben, wird dann im nächsten September zum zweiten Mal stattfinden. Die Uhrenbereiche in der oberen Etage, also VO Vintage und VO Clock werden generell eher B2C sein, während das neue Format im normalen Messebereich traditionell B2B sein wird.

Gerade im Uhrenbereich hat sich die Messelandschaft in letzter Zeit stark verändert. Wo sehen Sie Ihre Rolle?

Viele Aussteller erwähnen uns gegenüber, wie wichtig es für sie ist, an einer Messe Neues kennenzulernen. Viele Schmuckhändler und Juweliere, die auf unsere Messe kommen, sind beispielsweise im Uhrenbereich auf der Suche nach Nischenmarken, mit denen sie sich abheben können. Hier bleibt es unsere Aufgabe, dem Handel die Suche nach den für sie passenden Marken zu ermöglichen.

Und wie kann das garantiert werden?

Ich denke, man muss offen bleiben und Neues ausprobieren. Gerade bei den Uhren ist es derzeit nicht der Moment für den klassischen Weg, es braucht neue Ansätze. Der Bereich VO Vintage war anfangs auch ein wenig ein Experiment, aber er hat sich sehr gut etabliert und viele neue Leute angezogen, die inzwischen zu einem wichtigen Einkaufs- und Händlernetz geworden sind. mw

Die nächste Vicenzaoro findet vom 20. bis 24. Januar 2023 statt.

vicenzaoro.com

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