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Radioaktive Bestrahlung

In dieser Ausgabe stellt der Berliner Goldschmied und Gemmologe Andreas Stratmann eine einfache Möglichkeit vor, wie man radioaktive Bestrahlung von Edelsteinen und Diamanten nachweisen kann.

Edelsteinbehandlungen durch Radioaktivität sind keine Seltenheit und technisch einfach durchführbar. Der entscheidende Unterschied zu anderen Behandlungsarten besteht darin, dass die jährliche Strahlenbelastung für alle unnötig ansteigt, die Umgang mit solchen Steinen haben oder sie sogar täglich als Schmuckstück tragen.

Digitales Dosimeter aus Tschernobyl: Zufällig wurde hier eine erhöhte Strahlung des Handys festgestellt.

Geigerzähler (Radioaktivität)

Mit einem Dosimeter (Geigerzähler) können Edelsteine und Diamanten auf eine eventuelle radioaktive Behandlung untersucht werden. Die natürliche Radioaktivität beträgt beispielsweise in unserem Büro 0,07 Mikrosievert. Im Flugzeug auf rund 10‘000 Meter Höhe kann sie auch bei 11 oder mehr liegen. Da einige Edelsteine, wie beispielsweise der Titanit (Sphene), eine gewisse natürliche Radioaktivität aufweisen können, dürfen hier keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Behandlungen durch hochenergetische radioaktive Bestrahlung, sowie Gammabestrahlung können aber auf diese Weise nachgewiesen werden.

Älteres Dosimeter russischer Bauart.

Die Vorgehensweise zur Messung ist simpel. Zunächst wird die natürliche Umgebungsstrahlung gemessen, die ortsabhängig von der Meeresspiegelhöhe zwischen 0,03 und 0,07 Mikrosievert liegen sollte. Danach wird die Messung am Stein durchgeführt. Ein kleiner Edelstein mit einem Durchmesser von nur rund fünf Millimeter sollte nicht in der Lage sein, das Messergebnis der Umgebungsstrahlung zu beeinflussen, wenn er natürlich ist. In der Fachliteratur gibt es Tabellen, aus denen hervorgeht, welche Edelsteine und Mineralien natürliche Radioaktivität aufweisen können und bei welchen eine Behandlung durch radioaktive Bestrahlung vorliegen könnte.

Eine intensive radioaktive Bestrahlung bewirkt insbesondere bei farbigen Diamanten ein stärkeres „Leuchten“ der Farben, was mit einem Dosimeter aufgrund erhöhter Werte jedoch einfach nachgewiesen werden kann. Auch Ametrine können auf diese Weise hergestellt werden. Ein Amethyst wird mit Bleifolie zur Hälfte abgeklebt. Durch die Bestrahlung ändert sich das Lila hin zu Gelb. Das Ergebnis ist dann ein Ametrin: Ein Stein, der zur Hälfte aus Amethyst und zur anderen Hälfte aus Citrin besteht, was in der Natur nur selten vorkommt und entsprechend wertvoll ist.

Ein Ametrin.

Im Umkehrschluss kann eine „Dämpfung“, also ein zu geringer Wert natürlicher Radioaktivität, als Hinweis für eine Oberflächenbehandlung mit Wachsen und Ölen, wie zum Beispiel Paraffin, Harzen und Kunstharzen interpretiert werden. Die Durchführung des Testes ist daher in jedem Fall sinnvoll und kann zusätzliche Erkenntnisse liefern. Darüber hinaus ist keine besonders kostenintensive Ausrüstung notwendig. Einfache ältere analoge Geräte mit nur einem Zählröhrchen sind hierfür gut geeignet. Erstaunlich genaue Werte erzielen auch preiswerte miniaturisierte digitale Geräte, die über den Lautsprecherausgang an einem Handy betrieben werden können.

Andreas Stratmann

berlinerschmuck.de

Steine, die zwecks Farbverbesserung oder  -veränderung  radioaktiv bestrahlt werden:

 

Beryll Bestrahlung kommt vor
Beryll dunkelblau Radioaktivität möglich
Chrysoberyll- Katzenaugen Radioaktivität möglich
Diamant grün Radioaktivität möglich
Diamant schwarz Radioaktivität möglich
Diamant blau Bestrahlung kommt vor
Diamant gelb Bestrahlung kommt vor
Diamant rot Bestrahlung kommt vor
Diamant pink Bestrahlung kommt vor
Padparadscha Bestrahlung kommt vor
Topas blau Radioaktivität möglich
Topas braun Radioaktivität möglich
Turmalin pink und rot Bestrahlung häufig
Kunzit Bestrahlung selten
Amethyst Bestrahlung kommt vor
Citrin Bestrahlung kommt vor
Rauchquarz Bestrahlung häufig
Perlen aus China Bestrahlung kommt vor

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