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Schritt für Schritt übergeben

Wenn erfrischender Glaube an die Zukunft auf jahrzehntelange Leidenschaft trifft, dann können auch kleine Läden optimistisch bleiben. Ruedi Derks in Winterthur hat mit Simon Eichmann einen Nachfolger gefunden. Diese Freude teilen die beiden mit der Kundschaft, der ganzen Branche und dem bunten Laden-Mix in der Altstadt.

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Schmuckstücke von Simon Eichmann mit Farbsteinen aus der Kollektion von Ruedi Derks: Ring in Weissgold mit Spinellen.

Ruedi Derks gehört mit seinem Goldschmiede-Atelier zum Winterthurer Inventar. Zurückhaltend mit feinen, hochwertig dekorierten Schaufenstern ist sein Atelier zu einer Oase der Ruhe gewachsen. Um seine Schmuckwelt nach 45 Berufsjahren in jüngere Hände geben zu können, hat er früh die Fühler ausgestreckt und sein Geschäft für eine Übernahme bereit gemacht.

Derks engagiert sich seit Jahren für den Goldschmiede-Beruf. So arbeitet er in der ERFA-Gruppe Zürich mit, ist Mitglied des VSGU und kümmert sich um die Lehrlingsausbildung. Auch er selbst bildete immer wieder junge Leute aus. Seine Freude an den Menschen berührt Kundinnen, Lieferanten und Kollegen gleichermassen. Seine Türen scheinen immer offen zu stehen, der Austausch mit anderen bedeutet ihm viel. Als Zugehöriger der alteingesessenen Winterthurer Goldschmiede findet man bei Derks neben feinem Schmuckhandwerk auch immer Rat oder kurzweilige Gesellschaft. Es war schon immer sein Ziel, das Atelier am unteren Graben 21 einer Nachfolge weiterzugeben und dieser damit eine gute Chance bieten zu können.

Sorgfältige Planung

Vor drei Jahren hat er mit Unterstützung der Brack & Gut AG die Nachfolgeplanung angepackt. Die Aufarbeitung von Zahlen, Positionierung und Zielgruppen hat ein Paket ergeben, das sein Geschäft in gutem und fairem Licht präsentieren liess. Bei einem Lehrlingsaustausch vor einem Jahr hat er mit Simon Eichmann einen zukunftsorientierten Interessenten kennengelernt.

Als Jugendlicher war Eichmann von Unihockey fasziniert. Beim HC Rychenberg Winterthur verankert, schaffte er es bis ins Nationalkader. Später engagierte er sich als Juniorentrainer. Auch heute noch ist er oft als Fan auf der Tribüne anzutreffen. Seiner ersten Lehre als Konstrukteur, die er bei der Firma Sulzer absolvierte, folge ein Studium in Maschinenbau. Nach der Sportkarriere konzentrierte er sich auf seinen Beruf und musste feststellen, dass ihm dabei das Musische fehlte. Über Einblicke beim Goldschmiede-Atelier von Sahak Demirci und dank dem Kontakt zu Caroline Mojonnier kam es zur beruflichen Kehrtwende. Auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte Simon Eichmann bei Mojo Design eine Goldschmiedelehre, bei der er ein breites Spektrum von traditionellem Handwerk und neuen Technologien erlernte. Zum Rüstzeug für den Schritt in die Selbständigkeit gehörte auch der Umgang mit Kunden und Lieferanten.

In Winterthur angekommen

Simon Eichmann ist im Tösstal aufgewachsen und kam über den Sport mit 16 Jahren regelmässig nach Winterthur. Die Stadt ist ihm ans Herz gewachsen. „Weil es hier so schön ist“, sagt er. Nach eingehenden Gesprächen, Besichtigungen und Berechnungsmodellen wurde für ihn klar, dass er das Goldschmied-Atelier von Ruedi Derks weiterführen möchte. Um die Geschäftsabläufe Schritt für Schritt kennenzulernen, hat er im vergangenen Sommer bei Derks an der Werkbank zu arbeiten begonnen. Die 20-järige Erfahrung in CAD, die Eichmann aus der Industrie mitbringt, bietet er seit einiger Zeit als Freelancer auch seinen Branchenkollegen im Schmuckbereich an.

Im Juli erfolgte nun offiziell die Übergabe des Geschäfts. Am Unteren Graben mit seiner Allee und den Strassencafés fühlt sich Simon Eichmann ausgesprochen wohl. „Die Kontinuität des Geschäfts passt gut zu mir», sagt er. Auch die zeitlose, schlichte Formensprache, die Philosophie, die Freude an den Menschen und der Sinn für hochstehende Qualität möchte er im Stil seines Vorgängers weiter pflegen. red.

goldschmied-eichmann.ch

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