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Ernüchternde Aufstellung im Fall Eichenberger

Eichenberger

Seit der Konkurseröffnung der Eichenberger AG sind zweieinhalb Jahre vergangen. Mitte August haben die Gläubiger der Edelmetallgiesserei die endgültige Aufstellung erhalten. Nur ein Bruchteil der Forderungen ist gedeckt.

65 Jahre lang war Eichenberger ein bekannter und wichtiger Name in der Schweizer Schmuckbranche. Die Edelmetallgiesserei in Reinach, Aargau, bediente zahlreiche Goldschmiede und Schmuckhersteller. Im März 2016 mussten die Verantwortlichen beim Konkursamt die Bilanz deponieren. Nach Monaten des Wartens erhielten die Gläubiger am 17. August ein Schreiben mit der Information zu den bestehenden Aktiven. Mit ernüchterndem Ergebnis: Den Forderungen von über 9 Millionen Schweizer Franken stehen gerade mal freie Aktiven im Gesamtbetrag von 200‘995 Franken gegenüber. Nach dem Verkauf der Liegenschaften wird voraussichtlich noch ein höherer fünfstelliger Betrag in die freie Konkursmasse gezogen.

Verlust für fast alle

Die Gläubigerklassen zwei und drei werden gemäss Schreiben „vollumfänglich zu Verlust kommen“. Zu ihnen gehören eigentlich alle Unternehmen der Schmuckbranche, die in irgendeiner Form mit der Giesserei zusammengearbeitet haben. Gläubiger mit Forderungen in erster Klasse werden gemäss Kollokationsplan zuerst berücksichtigt. Zu ihnen zählen auch die ehemaligen Mitarbeitenden von Eichenberger. Obwohl sie in der Zwischenzeit sogenannte Insolvenzdividenden und Arbeitslosenentschädigung erhalten beziehungsweise neue Stellen gefunden haben, werden auch sie Ausfälle verzeichnen müssen. Ein Grossteil der Pensionskassenforderungen wird wohl nicht beglichen werden können. Somit steht die Vermutung der Veruntreuung von Arbeitnehmerbeiträgen im Raum, ein Regress seitens der Versicherung und der AHV-Stellen auf den Verwaltungsrat ist zu erwarten.

Grösster Gläubiger war versichert

Der grösste Gläubiger der Firma Eichenberger war die Gyr Edelmetalle AG. Das Unternehmen aus Baar im Kanton Zug hatte sein Konsignationslager jedoch gegen Diebstahl, Verlust und Veruntreuung versichert. Somit sei nur ein kleiner, verkraftbarer Schaden entstanden, so die Verantwortlichen.

Für Gläubiger der ebenfalls konkursiten Carl Schaefer (Schweiz) AG sieht es hingegen düster aus: Ihre Konkursverwalterin Transliq AG hat bei Eichenberger Forderungen in einem höheren sechsstelligen Betrag deponiert. Als Gläubigerin in der Klasse 3 wird auch bei Carl Schäfer ein Verlust verzeichnet und damit die eigene Dividende geschmälert, was wiederum zahlreiche Goldschmiede betrifft.

Das Konkursverfahren der Eichenberger AG wird voraussichtlich im ersten oder zweiten Quartal 2019 abgeschlossen.