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Nachgefragt bei Aurelia Reichlin

Gold’Or: Aurelia, was treibt dich an, wenn du am Morgen aufstehst und in dein Atelier gehst?

Aurelia Reichlin: Ich habe viele Ideen im Kopf und habe schon manche Nacht in Gedanken durchgearbeitet. Dann kann ich es jeweils kaum erwarten, am Morgen mit der Umsetzung der Kreationen zu beginnen. Manchmal sind es jedoch auch die Fleissarbeiten und die verbindlichen Liefertermine, die mich motivieren.

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Aurelia Reichlin ist auch für ihre Wappenringe in allen Grössen und Formen bekannt.

Was steht auf deiner Werkbank, das für die Fertigung von Schmuckstücken nicht unbedingt relevant ist?

Ein Foto meines Sohnes Akira, mein grösster Goldschatz. Neben den Ideen in meinem Kopf ist er oft ein weiterer Grund, nicht durchzuschlafen.

Was gefällt dir am Goldschmiede-Handwerk am besten?

Das freie Arbeiten ohne genaue Vorlagen, wenn die Muse mich zu einem neuen Design führt. Ich bin auch glücklich, dass ich mit meiner Zweitausbildung als Edelsteinfasserin die Schmuckstücke von A-Z selbst fertigen kann. So weiss ich genau, welche Vorarbeiten gemacht werden müssen, damit das Schmuckstück meiner Vorstellung entspricht.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Modern, aber zeitlos, extravagantes Understatement.

Was kannst du besonders gut?

Aus vagen Kundenideen konkrete Wunschstücke schmieden und Diamantpavés fassen. Ich investiere auch viel Zeit in mein Atelier und die wechselnden Schaufensterdekorationen. Die positiven Echos zeigen mir, dass diese gut ankommen.

Was fasziniert dich neben deinem Beruf als Goldschmiedin am meisten?

Ich müsste hier aus Marketinggründen sagen: das Edelsteinfassen. Aber ausserhalb des Metiers sind es Tanz und Rhythmik, egal ob Ballett, Poledance, Hiphop oder Breakdance, mich fasziniert die präzise Bewegung zu Musik. Zudem spiele ich gerne Klavier.

Was macht gute Laune?

Es freut mich immer sehr, wenn ich sehe, dass ein Schmuckstück von mir eine Kundin durchs Leben begleitet – besonders wenn es ein Spontankauf war. Auch nicht zu verachten sind Wellness und gutes Essen.

Zum Schluss darfst du noch wünschen, wen wir in dieser Serie als nächstes befragen sollen.

Das wäre Stefan Thoma aus Zofingen. Er ist ein erfahrener Goldschmied und der Präsident vom VSGI (Verband Schweizer Goldschmiede Innerschweiz). Er leistet immer tolle Arbeit und steckt viel Zeit in seine Projekte.

Daniela Bellandi

Aurelia Reichlin stammt aus einer Künstlerfamilie. Bereits in dritter Generation beschäftigt sich diese an der Grepperstrasse in Küssnacht am Rigi mit Kunsthandwerk – vom Vergolden von Bilderrahmen bis zum Goldschmied. So ist es nicht verwunderlich, dass die 32-Jährige ebenfalls einen kreativen, handwerklichen Beruf gewählt hat. Als ganz junge Frau wäre sie auch gerne Fotografin oder Konditorin geworden. Nach einer Schnupperlehre bei Goldschmied Kurt Schedler in Luzern war der Fall jedoch klar: Goldschmiedin war ihre Berufung. Schädler bot ihr eine Lehrstelle an. Nach erfolgreichem Abschluss machte Aurelia Reichlin ihre ersten Berufserfahrungen bei Benno Heinzer in Schwyz. Während ihrer Vorbereitung auf ein selbstständiges Berufsleben machte sie noch ein Bürofachdiplom. Anschliessend arbeitete sie ein Jahr bei Bucherer am Schwanenplatz in Luzern, wo sie Servicearbeiten erledigte und in der Kundenberatung tätig war. Dann wechselte sie an den Hauptsitz und absolvierte eine Lehre als Edelsteinfasserin. Im Frühjahr 2018 gründete sie die Reichlin Schmuck AG und eröffnete ihr Atelier. db

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