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Blasinstrumentenbau

Klarinetten, Querflöten, Saxophone, Trompeten und Hörner sind nur einige ihrer Schützlinge. Blasinstrumentenbauer EFZ bauen, reparieren und warten Musikinstrumente. In diesem Beitrag unserer Kleinstberufe-Serie stellen wir ihr Handwerk vor.

Wer Blasinstrumente bauen möchte, spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits eines. Diese Fähigkeit muss man mitbringen, ebenso wie Fachwissen über Akustik, gutes Gehör, handwerkliches Geschick, Geduld und Präzision. Unterschieden wird zwischen Holz- und Blechblasinstrumenten. Dabei richtet sich die Bezeichnung nicht nach dem Material, sondern nach Anblastechnik und Bauart: Bei vielen Holzblasinstrumenten wird der Ton erzeugt, indem ein Rohrblatt im Mundstück in Schwingung versetzt wird. Bei Blechblasinstrumenten wie Posaune, Tuba und Trompete erzeugen die Lippen des Spielers am Metallmundstück die Schwingung.

In der Ausbildung gibt es zwei Schwerpunkte: Reparatur oder Bau. Der Fachunterricht ist für beide Schwerpunkte identisch, lediglich die praktische Abschlussprüfung unterscheidet sich je nach gewähltem Schwerpunkt. Zu den Tätigkeiten gehören das Biegen, Ausbeulen und Löten von Metall, meist Neusilber und Messing. Die Berufsleute regulieren auch die Spielmechanik, stellen konische Rohre her und polstern Klappen.

Für die Revision muss ein Instrument komplett zerlegt werden.
Für die Revision muss ein Instrument komplett zerlegt werden.

Kleinstberufe mit Musik

Träger der Ausbildung ist die Dachorganisation IGMIB, die Interessengemeinschaft Musikinstrumentenbau. Seit einer Revision 2019 beinhaltet sie die vier eigenständigen EFZ-Berufe Klavier- und Blasinstrumentenbauer, Zinnpfeifenmacher und Orgelbauer. Alle vier sind Kleinstberufe.

Die vierjährige Ausbildung folgt dem dualen System der Schweiz. Jeder Lernende hat einen Lehrbetrieb, besucht die Berufsfachschule und nimmt an überbetrieblichen Kursen teil. Der Blockunterricht findet für die Lernenden aus allen Sprachregionen im Berufszentrum Arenenberg bei Salenstein am Bodensee statt – in kleinen Klassen und nach Bedarf mehrsprachig. Neben berufsspezifischen Kompetenzen gibt es auch Inhalte, die für alle vier Instrumentenbauberufe wichtig sind und deshalb gemeinsam erlernt werden. Die Branche ist klein, es gibt wenige Lehrstellen. Ein Grossteil der gelernten Blasinstrumentenbauer bleibt langfristig im Beruf. ca

blasinstrumentenbau.ch

 

„Musik ist mindestens genauso wichtig wie Sport”

Blasinstrumentenbauerin Lisa Winiger (Titelbild) hat sich auf Reparaturen und Revisionen von Holzblasinstrumenten spezialisiert, besonders auf Saxophone, Klarinetten, Piccolo- und Querflöten. Gold’Or hat mit ihr über ihren Werdegang, ihre Erfahrung als Prüfungsexpertin und die Bedeutung von Musik gesprochen.

Gold’Or: Lisa Winiger, warum sind Sie Blasinstrumentenbauerin geworden?

Lisa Winiger: Erste Berührungspunkte hatte ich in meiner Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau für Musikinstrumente. Ich habe schnell eine Faszination für das Handwerk dahinter entwickelt. Deshalb habe ich in Basel, wo ich aufgewachsen bin, eine Zweitausbildung zur Blasinstrumentenbauerin gemacht. Nach meinem Abschluss hat es mich nach St. Gallen gezogen, in eine Filiale meines Lehrbetriebs. Seit über 20 Jahren ist das mein Beruf. Ich war lange Angestellte, seit vier Jahren führe ich mein eigenes Geschäft.

Bilden Sie in Ihrer Werkstatt selbst aus?

Nein, das geht aus Platz- und Zeitgründen nicht. Ich habe in meiner Werkstatt keine Mitarbeiter und arbeite als Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern in Teilzeit. Seit letztem Jahr unterrichte ich als Fachlehrperson für Blasinstrumentenbau am Berufsbildungszentrum in Arenenberg. Damit bin ich auch nah dran an der nächsten Generation.

Sie sind Chefexpertin und Fachlehrerin. Was reizt junge Leute an diesem Beruf?

Alle Lernenden haben schon einen Bezug zur Musik, weil sie ein oder mehrere Instrumente spielen. Für viele ist es die zweite Ausbildung, wie auch bei mir. Ich erlebe sie als wissbegierig, motiviert, kreativ und engagiert – sie bringen sich ein, stellen Fragen, leisten viel und wollen den Beruf so umfassend wie möglich lernen. Die Freude an der Musik verbindet alle. Das spürt man besonders, wenn sie während der Blockzeit gemeinsam im Schulorchester spielen, den „Arenenberg Winds“.

Der Blockunterricht findet im Kompetenzzentrum Arenenberg am Bodensee statt. Foto: Arenenberg.
Der Blockunterricht findet im Kompetenzzentrum Arenenberg am Bodensee statt. Foto: Arenenberg.

Haben Sie Berührungspunkte mit der Schmuck- und Uhrenbranche?

Es gibt einige Ähnlichkeiten: In beiden Branchen wird mit Metallen gearbeitet. Ich habe viele langjährige Kunden, die mir ihre Instrumente regelmässig zur Revision und für Reparaturen anvertrauen. In diesem Sinne begleite ich Menschen durchs Leben, ähnlich wie ein Goldschmied oder ein Uhrmacher es tun. Ab und zu sind für Reparaturen an Querflöten spezielle Lötarbeiten nötig, wenn winzige Metallteile sich gelöst haben. Weil das nur selten vorkommt, lohnt sich die Anschaffung einer solchen Maschine für mich nicht. In diesen Fällen fahre zu einem Goldschmied in meiner Nähe, der mir beim Löten des Kleinteils hilft. Im Gegenzug bin ich auch seine Kundin, es gleicht sich also aus (lacht).

Sie sind auch im Vorstand des Branchenverbands, der Vereinigung Schweizer Blasinstrumentenbauer (VSB). Welche Aufgaben haben Sie dort?

Ich bin wegen meiner Rolle als Chefexpertin bei den Abschlussprüfungen in den Vorstand gewählt worden. In der VSB bin ich Ansprechperson im Ressort Qualifikationsverfahren und wirke dort mit. Uns beschäftigt das Thema Ausbildung: Welche Anforderungen sollen und müssen wir an die Lehrlinge stellen? Wie unterstützen wir die Lehrbetriebe?

Ihre und unsere Branche stellen Dinge her, die nicht überlebensnotwendig sind. Die Bedeutung von Schmuck und Uhren als wertvolle und emotionale Wegbegleiter kennen unsere Leser. Warum brauchen Menschen Musik und Musikinstrumente?

Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, wie wichtig Musik für uns Menschen ist. Sie berührt uns emotional, sie kann uns zum Lachen oder Weinen bringen, uns trösten oder beflügeln. Das erlebt man besonders intensiv, wenn man selbst ein Instrument spielt und diese Gefühle jederzeit ausdrücken kann. Musik stiftet auch Gemeinschaft, sei es in Bands, Vereinen, Chören oder Orchestern. Sie trägt kulturelle Bedeutung, die über den Einzelnen hinausgeht. Aus all diesen Gründen finde ich die musikalische Förderung von Kindern essenziell. Manchmal höre ich die Ansicht, Sport sei wichtiger als Musik. Ich finde, sie ist mindestens genauso wichtig.

 

Das Netzwerk Kleinstberufe
Im Netzwerk der Kleinstberufe haben sich seltene Lehrberufe verbündet. So selten, dass es jährlich in der Schweiz weniger als 15 bis 20 Lehrstellen gibt. Dazu gehören auch die EFZ-Berufe Goldschmied, Silberschmied und Edelsteinfasser. Der 2020 gegründete Verein Netzwerk Kleinstberufe verhilft den einzelnen Branchen zu mehr Sichtbarkeit in Gesellschaft und Politik.

Carina Andres

 

Lisa Winiger stellt die Spielmechanik des Saxophons ein.
Lisa Winiger stellt die Spielmechanik des Saxophons ein.

 

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