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Mechatronik für Seilbahnen

Stand- und Luftseilbahnen, Gondelbahnen, Ski- und Sessellifte: Über 2300 davon gibt es in der Schweiz. Für ihren sicheren Betrieb sorgen landesweit rund 14‘000 Fachmänner und -frauen. In dieser Ausgabe der Serie geht es um ihre vielseitige Arbeit.

Seilbahner und Seilbahnmechatroniker sorgen für den ordnungsgemässen Betrieb der Bahnen in jeder Jahreszeit. Sie kontrollieren mechanische und elektrische Bestandteile wie Seile, Bremsen, Antriebe und Steuerungen. Neben Überwachung und Instandhaltung der Anlagen sind sie auch für Reparaturen verantwortlich, arbeiten im Bahnbetrieb mit und nehmen administrative Aufgaben wahr. Die Ausbildung zum Seilbahnmechatroniker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ dauert vier Jahre und setzt die abgeschlossene Volksschule voraus. Seilbahnerinnen und Seilbahner mit eidgenössischem Berufsattest EBA werden in zwei Jahren ausgebildet.

Seilbahn-Mechatroniker sind bei jeder Jahreszeit an der frischen Luft im Einsatz.

Die Grundbildung wird den Lernenden in einem Seilbahnbetrieb vermittelt. Dazu kommen Berufsschule und überbetriebliche Kurse. Träger der Ausbildung und Organisation der Arbeitswelt ist der Verband Seilbahnen Schweiz mit Sitz in Bern. Der Verband hat sich 2021 vom Verband öffentlicher Verkehr gelöst und vertritt heute die Interessen seiner rund 350 ordentlichen Mitglieder in Politik und Gesellschaft.

Die Deutschschweizer Lernenden werden in Blockwochen im Ausbildungszentrum in Meiringen unterrichtet. In der Romandie und im Tessin findet der Berufsschulunterricht wöchentlich in der jeweiligen Sprachregion statt. Ausgebildet wird auch in Lehrbetriebsverbünden, bei denen Lernende den Betrieb wechseln. So wird die fundierte Ausbildung der jungen Generation sichergestellt, während auch kleinere Betriebe die Chance zum Ausbilden ergreifen und ihr Fachwissen weitergeben können.

Die Gondelbahn FlemXpress in Flims fährt dank einer weltweit einzigartigen Technologie nur bei Bedarf.

Als Teil der Lehrabschlussprüfungen lässt der Verband die Lernenden individuelle Praxisarbeiten (IPA) machen. Das ist ein praktisches Projekt, das die Lehrbetriebe ihren Lernenden zuweisen und das in 40 bis 120 Arbeitsstunden umgesetzt werden muss. Anders als eine universelle praktische Prüfung birgt die IPA einen konkreten Nutzen für den Lehrbetrieb, was häufig die Motivation der Lernenden steigert. Bewertet wird die Leistung durch den Lehrmeister und zwei externe Seilbahnfachmänner oder -frauen.

In diesem Jahr feiert der neu aufgestellte Beruf seinen 20. Geburtstag. Marc Ziegler wurde 2006 angestellt, um den Beruf „auf die Beine zu stellen“. Der 60-jährige Grindelwalder ist heute Leiter des Meiringer Ausbildungszentrums. Mit ihm hat Gold’Or gesprochen. ca

Marc Ziegler

 „Für viele ist es der Beruf ihres Lebens“

Marc Ziegler, Leiter des Ausbildungszentrums, spricht über bewährte Ausbildungsmodelle, die Herausforderungen für die Lernenden und die Faktoren dafür, dass rund 70 Prozent von ihnen dem Beruf ihr Leben lang treu bleiben.

Gold’Or: Marc Ziegler, was spricht für die Seilbahnbranche?

Marc Ziegler: Unsere Berufe verbinden Technik mit Natur und Menschen. Diese Vielfalt finde ich grossartig und die Zunahme bei den Lehranfängen spricht dafür, dass es viele junge Menschen gibt, die sich davon ebenfalls angesprochen fühlen. Die ganze Branche ist ausserdem sehr bodenständig, vom Lehrling bis zum CEO ist man per Du und alle Betriebe sind untereinander vernetzt.

Wie viele Lernende haben Sie aktuell?

Zu Beginn des neuen Lehrjahrs im August werden wir schweizweit 190 Lehrlinge haben. 140 davon sind in der Deutschschweiz, 40 in der Romandie und 10 im Tessin. Die Frauenquote liegt bei etwa zehn Prozent. Diesen Sommer starten bei uns in Meiringen 48 junge Menschen ins erste Lehrjahr, das ist ein Rekord. Mit diesen Zahlen sind wir kein wirklicher Kleinstberuf mehr, aber weil wir von Anfang an im Netzwerk waren, dürfen wir bleiben (lacht).

Wo findet die Ausbildung statt?

Es gibt die Lehrbetriebe, dazu Blockwochen im Ausbildungszentrum und überbetriebliche Kurse vor Ort bei einer Seilbahn oder ebenfalls hier in Meiringen. Ein Drittel unserer Lernenden wohnt nicht in einer Bergregion. Für sie bedeutet der Start der Ausbildung, dass sie mit 15 oder 16 Jahren plötzlich nur noch am Wochenende zuhause sind. Wir bereiten sie aber auf die Umstellung vor – und hören oft von den Eltern, dass ihre Kinder schon von klein auf Seilbahnfans waren. Dann ist der Fall klar und der Beruf, den sie lernen, wird zum Beruf ihres Lebens. Das sage ich so, weil mehr als zwei Drittel der Lernenden später in der Branche bleiben. Ein Drittel verlieren wir, weil ein Studium oder Montagen in der ganzen Welt sie locken.

Das Ausbildungszentrum von Seilbahnen Schweiz in Meiringen.

Zu wem passt ein Seilbahnberuf?

Als Seilbahnmechatroniker EFZ und Seilbahner EBA muss man Freude an Technik und Natur mitbringen und gerne im Team und mit Gästen arbeiten. Gute Kenntnisse in Mathe und Physik setzen wir voraus, weil es sonst später Probleme gibt. Auch wetterfest muss man sein, denn Reparaturen, Wartungen und Kontrollen finden nicht nur bei schönem Wetter statt. Deshalb ist der richtige Umgang mit Gefahren durch Lawinen oder Gewitter ein Teil der Ausbildung. Bevor ein Vertrag mit dem Lehrbetrieb unterschrieben wird, gibt es eine Schnupperlehre und eine Probearbeit mit dem zukünftigen Team. Das gibt beiden Seiten Sicherheit.

Wie gross ist der Andrang bei den offenen Lehrstellen?

Im Schnitt kommen auf jede Lehrstelle fünf bis zehn Interessierte. Dieses Signal freut uns und stimmt uns zuversichtlich. Unsere Abbruchquote liegt bei 13 Prozent, also zwischen einer und drei Personen im Jahr. Meist sind zu schwache schulische Leistungen oder die Gesundheit der Grund dafür. Unter Umständen ist ein Wechsel ins EBA-Profil eine gute Lösung. Dem begegnen viele mit dem Vorurteil, das seien die, die stundenlang am Skilift die Bügel runterklappen. Das stimmt nicht und wir arbeiten daran, dieses Berufsbild aufzupolieren.

Wie gut ist die Branche auf die Zukunft vorbereitet?

Wie alle anderen erwarten wir bald eine Welle von Pensionierungen. In dem Zusammenhang haben wir aktuell einen Mangel an Fachkräften. Das betrifft besonders die Seilbahnfachfrauen und -männer, von denen jährlich zwischen 15 und 25 ausgebildet werden. Etwa 30 bis 50 Prozent unserer Mechatronikerinnen und Mechatroniker machen diese Weiterbildung im Laufe ihrer Karriere. Für den Betrieb jeder Seilbahn braucht es eine Bewilligung vom Bundesamt für Verkehr BAV, die unter anderem ausreichend Fachkräfte mit dieser Weiterbildung voraussetzt. Da könnten wir zeitweise an ein Limit kommen. Insgesamt lässt uns das wachsende Interesse an unseren Ausbildungen aber zuversichtlich nach vorne blicken.

Carina Andres

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