Andreas Kobler spricht über die Zukunft unabhängiger Juweliere, die Bedeutung persönlicher Netzwerke im Edelsteinhandel und weshalb Geschwindigkeit, Vertrauen und Spezialisierung heute entscheidender sind als Grösse.
Gold’Or: Andreas Kobler, viele Goldschmiede und Bijouterien stehen heute unter Druck. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Branche?
Andreas Kobler: Die Problematik, dass sich viele Goldschmiedebetriebe auflösen oder keine Nachfolger finden, ist meiner Meinung nach eine traurige Entwicklung. Im untersten Preissegment ist die Konkurrenz durch das Internet und grosse Markenhäuser schlicht zu stark geworden. Und im mittleren Preissegment fallen die Kunden langsam, aber sicher weg. Das beobachten wir in ganz Europa. Unsere Chance liegt im Luxus, im oberen und obersten Preissegment.
Weshalb gerade dort?
Weil Kundinnen und Kunden im hochwertigen Segment etwas Besonderes suchen. Sie möchten kein Produkt, das allzu stark verbreitet ist. Die Nische zu finden und zu bearbeiten, ist die eigentliche Kunst. Klassiker wie Rubin, Saphir und Smaragd bleiben deshalb enorm wichtig. Sie sind zeitlos, selten und wertbeständig. Gleichzeitig stellen wir fest, dass viele Schmuckschaffende einen gewissen Respekt davor haben, diese ihren Kunden überhaupt vorzuschlagen. Hier wollen wir unsere B2B-Kunden mit unserem Know-how und der einfachen und direkten Abwicklung unterstützen.

Wie stark hat sich die Kundschaft in den vergangenen Jahren verändert?
Sehr stark. Kunden setzen sich heute viel intensiver mit Edelsteinen auseinander. Das lässt sich fast mit dem Uhrenmarkt vergleichen. Viele wissen genau, wie Farben und Schliffe zu beurteilen sind. Sie verstehen Seltenheit und können Wertentwicklungen nachvollziehen. Unsere Kunden interessieren sich zunehmend für die gesamte Wertschöpfungskette eines Edelsteins.
Wie emotional sind Entscheidungen im Edelsteinhandel eigentlich?
Sehr emotional. Manchmal muss man sehr schnell entscheiden, wenn sich ein Edelstein regelrecht ins Herz brennt. Es wäre schade, wenn ein aussergewöhnlicher Stein später beim Mitbewerber im Schaufenster liegt. Dasselbe empfehlen wir unseren Kunden. Investitionen in ein Edelsteinlager müssen wohlüberlegt sein, aber sie helfen enorm dabei, sich gegenüber der Konkurrenz im Markt zu positionieren.
Sie beliefern künftig verstärkt andere Juweliere und Bijouterien. Gleichzeitig führen Sie ein eigenes Geschäft. Ist das kein Spannungsfeld?
Doch, natürlich bewegt man sich teilweise im selben Markt. Aber genau deshalb verstehen wir die Bedürfnisse der Branche sehr gut. Wir erleben im Alltag selbst, wie anspruchsvoll Kundenanfragen heute geworden sind. Dieses Wissen können wir direkt weitergeben.
Wie kann ein Juwelier Sie erreichen, wenn er einen Stein sucht?
Wir haben uns bewusst gegen einen Katalog entschieden. Das hat in den vergangenen Jahren nie funktioniert. Vielmehr setzen wir auf möglichst direkten Kontakt: Ich bin über E-Mail oder Handy erreichbar. Auch arbeiten wir mittels Gruppenchats in WhatsApp mit einzelnen Juwelieren zusammen. So können Anfragen unkompliziert und schnell bearbeitet und versanden werden. ss


