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„Das Leben in der Altstadt ist wetterabhängig“

Die Goldschmiedin Manuela Weingart geht mit ihrem neuen Atelier ihren eigenen Weg. Sie spricht über ihren Werdegang, ihre Schmuckmarke und den neuen Alltag als Inhaberin eines Geschäfts.

Gold’Or: Manuela Weingart, wann haben Sie Ihr Atelier eröffnet?

Manuela Weingart: Mitte Februar, es ist also alles noch recht frisch. Ich habe keine Eröffnungsfeier gemacht, weil ich schauen wollte, wie es läuft, ohne dass ich meine Kunden direkt informiere. Bis jetzt zeigt sich, dass das Leben hier in der Altstadt stark wetterabhängig ist: Wenn es zu kalt oder zu heiss ist, bleiben die Leute drinnen. Ich mache viel selbst, nicht nur Schmuck. Den Innenraum habe ich streichen lassen, aber den Tresen, den Beratungstisch und viele andere Elemente habe ich über Weihnachten selbst gebaut oder modifiziert. Mir ist wichtig, dass meine Handschrift im Laden sichtbar ist.

Was zeigen Sie in den Schaufenstern?

Mein eigenes Schmucksortiment. Dazu gehören meine Ringe mit Salt&Pepper-Diamanten in ungewöhnlichen Schliffen, Trauringe und einige Stücke aus der Pets-Kollektion. Das sind Anhänger mit fein gearbeiteten Tierköpfen. Über 50 Hunderassen sind schon erhältlich, kürzlich habe ich auch Katzen dazugenommen.

Welche Materialien verarbeiten Sie?

Bei den Ringen und Auftragsschmuckstücken Edelmetalle nach Wunsch des Kunden. Neben klassischen Diamanten greife ich oft auf die einzigartigen Salt&Pepper-Diamanten zurück, die man sogar mit blossem Auge voneinander unterscheiden kann. Was ich auch toll finde, sind mehrfarbige Saphire, die ich direkt in Sri Lanka beziehe. Blau-Grün oder Braun-Orange sind reizvolle Kombinationen, in die sich auch meine Kundinnen verlieben. Den Tierschmuck fertige ich aus Silber, um mehr potenzielle Kunden zu gewinnen. Möglich sind aber auch Sonderanfertigungen aus Gold oder Platin, wenn jemand zum Beispiel sein eigenes Tier abgebildet haben will.

Ringe mit Salt&Pepper-Diamanten.

Wer sind Ihre Kunden?

Das lässt sich je nach Produkt recht genau sagen. Der Tierschmuck aus Silber kommt generationenübergreifend gut an. Nicht nur Haustierbesitzer freuen sich über ein Schmuckstück, das diese Tierliebe zeigt. Die Diamantringe werden meist im Verlobungsalter interessant, sagen wir 28 bis 45 Jahre. Ich beobachte aber auch, dass Frauen sich selbst Schmuck kaufen, um persönliche Meilensteine zu feiern. Ich habe internationale Kundschaft. Auch da gibt es Unterschiede bei der Mentalität. Amerikaner und Briten sind zum Beispiel eher zu Spontankäufen bereit als wir zögerlichen Schweizer.

Skizzieren Sie uns kurz Ihren Werdegang?

Ich bin gelernte Goldschmiedin, habe aber auch Produkt- und Industriedesign studiert. Weil ich mich für dreidimensionales CAD und 3D-Technik begeistere, habe ich vor neun Jahren angefangen, Bijouterien und Goldschmiede bei ihren Ideen zu begleiten und die zugehörigen Modelle zu erstellen. Diese Arbeit mache ich immer noch, parallel zu meiner eigenen Marke. Ein Vorteil der Computerarbeit ist die Unabhängigkeit vom Standort. Ich kann wunderbar an Modellen arbeiten, während ich auf Reisen bin. Diese Freiheit ist mir wichtig.

Ein Mops aus der Pets-Kollektion.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

Mir war schon vorher nicht langweilig, aber seit der Eröffnung des Geschäfts gibt es noch mehr zu tun. Ich befasse mich intensiv mit Marketingtechniken und bin dabei, meine Webseite neu aufzuziehen. Dazu kommen natürlich die tägliche Arbeit an 3D-Konstruktionen und am Goldschmiedetisch, Termine mit Kunden und oft auch mondäne Aufgaben. Schräg gegenüber gibt es eine Gelateria und wenn Kinder sich mit ihrer Glace auf das Sims vor meinem Schaufenster setzen und dann den Schmuck entdecken, muss ich später die Fenster putzen (lacht).

Ausserdem sind Sie im Vorstand des VSGU. Welche Schwerpunkte setzen Sie dort?

Ich engagiere mich im Verband, weil ich es wichtig finde, das weltweit hoch angesehene Schweizer Handwerk aufrechtzuerhalten und zu stärken. Dafür müssen wir in unserer kleinen Branche zusammenhalten. Die Konkurrenz im Ausland hat aber nicht geschlafen. Im Vorstand verstehe ich mich als „Allrounderin“, wirke also bei vielen Projekten mit. Bei den Berufsmeisterschaften Swiss Skills habe ich mich eingebracht, ausserdem unterstütze ich Andrea von Allmen bei allen Goldschmiede-Themen und im Marketing-Ausschuss. Weil ich unabhängig vom VSGU mit vielen Goldschmiedebetrieben zu tun habe, bekomme ich deren tagtägliche Anliegen und Sorgen hautnah mit und kann diese direkt im Verband auf den Tisch bringen.

Carina Andres

Titelbild: Manuela Weingart in ihrem Atelier.

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