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Wolfgang Schnider

Gold’Or: Wolfgang, was treibt dich an, wenn du am Morgen aufstehst und in dein Atelier gehst?

Wolfgang Schnider: Der Gwunder auf den neuen Tag mit all seinen Facetten. Ich freue mich jeden Morgen auf die Begegnung mit meinem Geschäftspartner Matthias Hammer und unserem Atelierhund Chico.

Was steht auf deiner Werkbank, das für die Fertigung von Schmuckstücken nicht unbedingt relevant ist?

Da wäre beispielsweise ein kleiner Schoggi-Osterhase mit einer angeschmolzenen Verpackung und ein paar gebrauchte Kaffeetassen.

Was gefällt dir am Goldschmiede-Handwerk am besten?

Die Möglichkeit, das traditionelle Handwerk mit den neusten Technologien wie 3D-Druck, Schweiss- oder Gravierlaser zu verbinden. Ausserdem liebe ich es, in unserer eigenen Giesserei zu arbeiten. Es ist grossartig, alles miteinander kombinieren zu können und so etwas Neues entstehen zu lassen. Gute Ideen werden von der Kundschaft belohnt. Wenn sie schlecht waren, bekommt man das meist schnell zu spüren. Wenn mein Geschäftspartner und ich mal Lust auf etwas anderes haben, als an Schmuckstücken zu arbeiten, entwerfen und fertigen wir Bilder und Skulpturen in Stahl, der mit Sprengstoff geformt wird. Wie das funktioniert, ist auf unserer Webseite beschrieben.

Was kannst du besonders gut?

Was mich auszeichnet ist sicher meine Vielseitigkeit: Ich entwerfe Kollektionen, löse Fertigungsprobleme, beschäftige mich mit 3D-Zeichnen, stelle Uhrengehäuse her und kümmere mich gerne um die Beziehungen zu unserer Kundschaft. Zudem hilft mir auch immer wieder meine Beharrlichkeit; wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich es meist bis zum Ende durch.

Bei welcher Tätigkeit trifft man dich häufig an, wenn du nicht am Schmuckherstellen bist?

Während des ersten Lockdowns habe ich angefangen, eine Fünf-Achs-CNC-Fräse zu bauen. Dieses Projekt wird mich noch eine gute Weile beschäftigen. Das eine ist die Konstruktion, also der Maschinenbau, und zum anderen muss ich mir noch einiges bezüglich der Programmierung und Bedienung der Maschine aneignen.

Welche globalen Themen interessieren dich am meisten?

Nachhaltigkeit in allen Bereichen. Wegschmeissen von Dingen aller Art ist immer weniger eine Option. Ich versuche nur noch Sachen mit vernünftiger Lebensdauer zu kaufen, die bei Bedarf auch wieder verwertet und repariert werden können.

Was macht gute Laune?

Wenn die Dinge so funktionieren, wie ich mir das ausgedacht habe, was leider nicht immer der Fall ist. Glücklich macht mit auch die Möglichkeit, den schönsten Beruf in entspannter Umgebung ausüben zu können, so wie mein Geschäftspartner und ich es uns geschaffen haben.

Zum Schluss darfst du noch wünschen, wen wir in dieser Serie als nächstes befragen sollen.

Da denke ich an Anna Coudray vom Goldschmiede Atelier D’Or in Düdingen. Sie ist eine sympathische Macherin, die mich mit ihren Arbeiten beeindruckt hat.

Daniela Bellandi

schnider-hammer.ch

Die Arbeiten von Wolfgang Schnider und Matthias Hammer heben die Grenzen des traditionellen Goldschmiedehandwerks auf. Seit 1993 tüfteln und experimentieren die passionierten Goldschmiede in ihrem Atelier im Herzen der Solothurner Altstadt mit anderen Formen, unüblichen Metallen und aussergewöhnlichen Steinen. Zudem entstehen hier die Kollektion Weissenstein, der Schriftring und Unikate. Schnider ist 1965 in Spiez geboren und dort aufgewachsen. Nach seiner Goldschmiedelehre in Thun ging er nach Westafrika, um Gold zu waschen. Später arbeitete er in Ateliers in Solothurn, Biel und Bern, absolvierte eine Weiterbildung als Gemmologe und Diamantgutachter in Idar-Oberstein und liess sich zum Sprengfachmann ausbilden. Unter dem Namen „Sprengkraft“ sind die Stahlbilder und Objekte von Matthias Hammer und Wolfgang Schnider in verschiedenen Ausstellungen zu sehen. db

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