Es gibt Probleme, die sich mit dem technischen Fortschritt lösen. Keine Angst, diesmal ist nicht die omnipräsente KI gemeint, sondern die Einführung der Elektrizität. Sie hat ein gut überlegtes Gerät überflüssig gemacht: den Armbanduhrständer mit Beleuchtung.
Das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen führt über 50 kunstvolle Halterungen für Taschenuhren. Die waren nicht nur Teil der Inneneinrichtung, sondern gaben den zerbrechlichen und teuren Zeitmessern einen sicheren Aufbewahrungsort, während ihr Besitzer die Kleidung wechselte. Diesen Sommer hat das Museum eine andere Uhrenhalterung in die Sammlung aufgenommen, die nicht für Taschen-, sondern für Armbanduhren gedacht ist. Heute denken wir an Uhrenrollen, die auch auf Reisen praktisch sind, oder gleich an den Safe. Mit dem „Watchlite“ getauften hellblauen Metallgestell in Form der Ziffer 2 hat sich der asiatische Hersteller „Balloon Brand“ etwas einfallen lassen, das heutige Betrachter schmunzeln lässt.

Stellen wir uns eine Armbanduhr vor, die keine Leuchtelemente hat. Auch die Elektrizität denken wir kurz weg. Wie lesen wir nun die Zeit ab, wenn wir nachts aufwachen und nicht jedes Mal eine Kerze oder Öllampe entzünden wollen? In dieser Marktlücke hätte der „Watchlite“ sich behauptet. Er hat einen Metallclip, in den man das Uhrenband einhaken kann. Dazu kommt ein einfacher Schieberegler zum Ein- und Ausschalten der im oberen Teil versteckten Glühbirne. Das Batteriefach ist im Boden des Halters versteckt. Solange die Uhr also im Halter eingehängt war und auf dem Nachttisch stand, gab es kein Problem bei nächtlicher Insomnie.
Schlechter Zeitpunkt
Der Haken: Das Gerät kam in den 1970er Jahren auf den Markt, also Jahrzehnte nach der flächendeckenden Einführung der Elektrizität. Ein optischer Hinweis auf die Entstehungszeit ist das Metallband, das auf dem Rücken der Halterung angebracht ist. Solche Details finden sich auch bei Küchen oder Autos aus dieser Zeit. Ein gutes Produkt kam zur falschen Zeit, was seinem Erfolg entscheidend im Weg gestanden haben dürfte. Folglich war das Exemplar, das nun im Inventar des Museums ist, noch immer originalverpackt. ca



