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Standuhren für Grossväter, Grossmütter und Enkelinnen

Was man im Deutschen ganz nüchtern „Standuhr“ nennt, trägt im Englischen den Namen „grandfather clock“. Warum das? Zusammen mit dem Deutschen Uhrenmuseum, das einige bemerkenswerte Exemplare führt, gehen wir auf Spurensuche.

Wir beginnen unsere Reise im Drei-Sterne-Hotel „The George“ in Piercebridge, fünfzig Kilometer südlich von Newcastle-upon-Tyne im Norden Englands. Im Eingangsbereich: Eine Standuhr, gebaut vor 1825, die für die pünktliche Abfahrt der Postkutschen sorgen sollte. Doch in den 1870er Jahren hörte die Uhr auf zu ticken. Die Erzählung des Hauses besagt, dass die grosse Uhr um 1800 anlässlich der Geburt des ersten Sohnes angeschafft worden war und mit dessen Tod plötzlich den Dienst verweigerte.

Diese Standuhr in „Grossvater-Grösse“ (195 cm) baute 1775 der Uhrmacher Ignatz Georg Wisnpaindter für die Sternwarte der Universität Eichstätt. Die erste Präzisionspendeluhr in Deutschland gehört heute zum Inventar des Uhrenmuseums.

Von dieser kuriosen Geschichte erfuhr auch der Komponist Henry Clay Work, geboren 1832 in Connecticut. Er hatte sich während des amerikanischen Bürgerkriegs als Liederschreiber einen Namen gemacht. Nach einer persönlichen Krise, in der er das Komponieren jahrelang aufgegeben hatte, gelang ihm 1876 ein Lied, das schnell zum US-Traditional avancierte: „Grandfather’s Clock“. Es ist inspiriert von der Erzählung aus England, doch geschildert aus der Perspektive des Enkels. Die Standuhr, die den alten Grossvater um mehr als die Hälfte überragte, hörte auf zu schlagen, als der alte Mann mit 90 Jahren starb. Die beschwingt-fröhliche Melodie widerspricht dem traurigen Sujet des Liedes, das für Klavier und Gesang komponiert wurde.

Henry Clay Work, 1832–1884.
Works Unterschrift.

Der Titel des Lieds führte dank seiner Bekanntheit schnell zur Ablösung des vorher gebräuchlichen Begriffs „longcase clock“. Und so konnten englische Besucher bei einer Führung durch das Deutsche Uhrenmuseum staunen: „Look at these grandfather clocks!“

Unter den Standuhren gibt es aber nicht nur Grossväter mit einer Grösse von 180 bis 240 Zentimetern. Findige Verkäufer boten in den 1920er Jahren auch „grandmother clocks“ an, die mit einer Grösse von 150 bis 180 Zentimetern weniger massig waren. Später gesellten sich noch kleinere Modelle dazu, die fortan als „granddaughter clocks“ (Enkelinnen) bekannt waren und mit 65 bis 150 Zentimetern Höhe in fast jede Einrichtung passten. ca

„It was bought on the morn of the day that he was born
And was always his treasure and pride
But it stopped short never to go again
When the old man died.“

 

Titelbild: Das Titelblatt einer Ausgabe des Lieds „Grandfather’s Clock“.

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