Jacques-Frédéric Houriet, einer der Gründerväter der Geschichte der Schweizer Uhrenherstellung, war auch ein begabter Vermittler und Zeichner.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bildete sich die Uhrmacherei zunächst ausgeprägt auf der britischen Insel aus, bevor sie auch in Frankreich Fuss fasste. Kurz vor der Französischen Revolution gelangte sie auch nach Genf; eingeführt wurde sie dort durch den Aufenthalt von Wissenschaftlern und wohlhabenden Kunden, die Taschenchronometer aus England besassen. Mit Unterstützung des Physikers und Astronomen Marc-Auguste Pictet war der Genfer Antoine Demole der erste Schweizer, der sich dem Bau von Taschen- und Marineuhren widmete und so dem Erfolg seiner Kollegen nördlich des Ärmelkanals nacheiferte.
Ein Gründervater der Schweizer Chronometrie
In Neuenburg war es die Stadt Le Locle, die die Kunst der Zeitmessung ausgehend von den Arbeiten von Jacques-Frédéric Houriet zu ihrer Spezialität machte. Diesem Gebiet widmete Houriet sich dort seit Beginn des 19. Jahrhunderts, in den letzten Jahrzehnten seines Lebens. Dabei blieb er im Wesentlichen ein Zulieferer und fertigte Chronometer für andere. Entsprechend tragen nur wenige Stücke seine Signatur. Seine Zusammenarbeit mit dem Atelier von Abraham-Louis Breguet, einem Freund und Kollegen, ist zweifellos die prominenteste. Für ihn fertigte Houriet mehrere Breguet-Taschenchronometer mit Tourbillon. Ein Beitrag, der keiner weiteren Erläuterung bedarf.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Houriet bereits eine lange Karriere als Uhrmacher hinter sich. Nach einer Lehre in Le Locle war er nach Paris gegangen. Dort arbeitete er mit den renommiertesten Ateliers seiner Zeit zusammen, darunter die von Pierre Leroy, Jean Romilly und seinem Landsmann Ferdinand Berthoud. In den 1770er Jahren kehrte er nach Le Locle zurück und ging eine Zusammenarbeit mit seinem Schwager David Courvoisier ein. Das Unternehmen Courvoisier-Houriet, eines der bedeutendsten und angesehensten der Region, stellte vor allem schöne Uhren für den privaten Gebrauch her, zwischenzeitlich waren auch Standuhren dabei. Als Abraham-Louis Breguet während der Französischen Revolution ein Jahr in Le Locle verbrachte, schlossen Houriet und er Freundschaft.

Der Name Houriet wird häufig mit dem eines anderen Uhrmachers in Verbindung gebracht, der es zu grossem Ruhm bringen sollte: der Dänen Urban Jurgensen, der nach einer Ausbildung bei Houriet dessen Tochter geheiratet hatte. Jurgensen und sein Schwiegervater teilten insbesondere ein grosses Interesse an der Thermometrie. Der dänische Uhrmacher hatte das uhrförmige Taschenthermometer erfunden, auf das sich Houriets Werkstatt später während der Napoleonischen Kriege spezialisierte, als sie ihre Aktivitäten auf den Bereich der Hochpräzision ausrichtete. Verschiedene Houriet-Chronometer waren daher mit einem Thermometer ausgestattet.

Die Zeitmessung zwischen Wissenschaft und Technik
Das Problem der Temperatur und ihrer Auswirkungen auf den Gang von Zeitmessern wurde für Houriet zu einem besonders fruchtbaren Forschungsbereich. Der Uhrmachers aus Le Locle begnügte sich denn auch nicht damit, nur mit seinen Uhren zu den Fortschritten der Chronometrie beizutragen. Im Alter von über sechzig Jahren widmete er sich schliesslich der wissenschaftlichen und technischen Spitzenforschung, die ihn schon immer begeistert hatte. Inspiriert von Meistern wie Berthoud, Leroy und Breguet untersuchte Houriet die Kompensation der Temperatureinflüsse auf die Unruh und widmete sich der Frage der Isochronie der Unruh-Schwingungen. Diese Arbeiten führten schliesslich zur Entwicklung der sphärischen Spirale.

Anders als die Arbeiten von Ferdinand Berthoud wurden die technischen Schriften von Jacques-Frédéric Houriet allerdings nicht gedruckt. Sie zirkulierten in einem engen Kreis von Eingeweihten sowie unter den Mitgliedern der akademischen und wissenschaftlichen Institutionen, an denen sich Houriet orientierte. So sandte er beispielsweise 1814 einen „Essai sur l’isochronisme du ressort spiral“ („Aufsatz über den Isochronismus der Spiralfeder“) an die Académie des sciences in Paris, der er 1829, kurz vor seinem Tod im Jahr 1830, eine zweite, korrigierte und erweiterte Fassung folgen liess. Entgegen den gängigen Aussagen in der Literatur ermöglichten diese beiden Texte Houriet jedoch keine Aufnahme als korrespondierendes Mitglied der Akademie. Über diesen Ausflug in die französische Wissenschaftswelt hinaus präsentierte Houriet die Ergebnisse seiner Analysen vor allem in regelmässiger Form der Société d’émulation patriotique de Neuchâtel und teilte sie bei bestimmten Gelegenheiten auch mit der Société des arts de Genève.

Der Bleistift verlängert die Handschrift
Glücklicherweise sind Kopien mehrerer seiner Manuskripte bis heute erhalten geblieben. Aus naheliegenden historischen Gründen werden sie heute von der Bibliothèque publique de Neuchâtel (BPU) und vom Musée d’art et d’histoire de Genève aufbewahrt. Die BPU besitzt zudem einige Bücher mit dem „Exlibris“ des Uhrmachers.
Houriets Texte, deren Themen über den Rahmen der eigentlichen Zeitmessung hinausgehen, sind sorgfältig strukturiert und klar verfasst, ganz im Sinn der von Ferdinand Berthoud entwickelten Uhrmacherpädagogik. Sie werden oft von wunderschönen Zeichnungen begleitet, die Houriet selbst angefertigt hat. Getreu der Überzeugung, dass Worte allein nicht ausreichen, um die Praktiken der Uhrmacherkunst zu erhellen – ein Konzept, auf das Ferdinand Berthoud wiederholt hingewiesen hatte –, begeistert Houriet in seinen Schriften durch die Schönheit und Feinheit seiner Striche, die die Subtilität seiner eleganten mechanischen Werke widerspiegeln.

In Jacques-Frédéric Houriets Werk verlängert der Bleistiftstrich die Geste des Uhrmachers. Seine Zeichnungen dienen nicht nur als ergänzende Erläuterungen: Sie offenbaren die Seele eines Handwerks, bei dem die Hand ebenso viel denkt, wie sie formt. So beruht die Schönheit der frühen Zeitmessung einerseits auf den Geschichten über sie und zugleich ebenso sehr auf der Sensibilität desjenigen, der die einzelnen Komponenten ausdenkt, herstellt und abbildet, die diese Geschichten erst ermöglichten.
Rossella Baldi


