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Kuckucksuhren als Spielwiese der Designer

Seit Jahrhunderten sind sie Teil des ländlichen Lebens. Im Furtwanger Museum gibt es mehr als 150 Kuckucksuhren, die überwiegend dem traditionellen Bild entsprechen, das man im Kopf hat. Doch Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kuckucksuhr zum Spielball für Designer, die ihr einen neuen Anstrich verpassten.

Seit wann es Kuckucksuhren gibt, ist nicht ganz klar. Verschiedene Quellen deuten aber auf das frühe 17. Jahrhundert hin. 1619 hat zum Beispiel der sächsische Kurfürst Johann Georg I. eine solche Uhr mit Kuckucksruf erhalten, wie das Inventarbuch der Dresdner Kunstkammer festhält: „Dazu ist ferner aufs neue eingekommen 1 Uhr mit einem Kuckuck“.

Bei dieser Uhr mit gehäkeltem Gehäuse und Vogel steht das Design über der Funktion. Das muss allerdings gar kein Nachteil sein. Anne-Claire Petit, Amsterdam, 2013. Foto: Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen

Der etwa taubengrosse Vogel lässt sich leicht an seinem Ruf erkennen, der ihm in diversen Sprachen auch seinen lautmalerischen Namen eingebracht hat. Dieser Ruf aus zwei wechselnden Tönen lässt sich (mechanisch zum Beispiel mit zwei kleinen Orgelpfeifen) imitieren und kann so aus einem Uhrwerk erklingen.

Im Deutschen Uhrenmuseum gibt es Kuckucksuhren in Hülle und Fülle, ist doch der Schwarzwald historisch als die Wiege dieser Uhren bekannt. Ab den 1990er Jahren zeichnen sich überaus einfallsreiche Varianten der Kuckucksuhr ab. Zum Beispiel kann der Vogel durch eine andere Gestalt ersetzt werden. Warum nicht durch Homer Simpson, den gelben Cartoonmann aus der US-amerikanischen Serie? Zur vollen Stunde tritt er aus der Tür seines Stammlokals und gibt keine fröhlichen Vogelrufe zum Besten, sondern das Grölen eines Betrunkenen.

Kuckucksuhr mit Kultfigur Homer Simpson in seinem Stammlokal, ab 2008. Foto: Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen

Neon und Graffiti

Der Offenburger Künstler Stefan Strumbel hat sich mit der Bedeutung der Heimat auseinandergesetzt und eine eigene Kuckucksuhr geschaffen, bei der traditionelle Elemente wie die Jagd- und Naturmotive in knalligen Graffiti-Farben daherkommen. Ein Sammler dieser Uhren war offenbar der 2019 verstorbene Modedesigner Karl Lagerfeld, der für strenge, dunkle Kleidung bekannt ist.

Uhr in Form eines gekochten Eis, entworfen von Dario Serio für die italienische Marke Progetti, 2013. Foto: Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen

Eine lustige Iteration stammt aus Italien. Der Designer Dario Serio machte gedanklich den Sprung vom Kuckuck zum Huhn und zu dessen Ei, das sich gekocht zum Verzehr eignet. So entstand – nicht ohne Ironie – eine Kuckucksuhr im Gewand eines Frühstückseis. Dass Design und Funktionalität miteinander ringen, wissen wir alle. Beim letzten Beispiel hat die Ästhetik gesiegt: Die bunte Uhr mit gehäkeltem Gehäuse wird zwar von einem ebenfalls gehäkelten Vögelchen bewohnt, doch das ist statisch – und stumm. Singen könnte es nur bei entsprechender Ausrüstung wie Batterien im Bauch. Doch die farbenfrohe Arbeit der niederländischen Designerin Anne Claire Petit bringt auch so Freude. Und wer braucht den singenden Kuckuck in der Uhr, wenn vor dem Fenster echte Vögel zwitschern?

Carina Andres

Titelbild: Mode-Ikone Karl Lagerfeld mit einer Uhr des badischen Künstlers Stefan Strumbel.

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