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„Nimm dieses Schaufenster mit nach Hause“

Ein QR-Sticker aussen am Geschäft, ein Scan – und Passanten tragen das ganze Schaufenster in der Tasche. Die Software „Nimm dieses Schaufenster mit nach Hause“ ist eines der Herzstücke von Goldrocket. Entwickelt hat sie der gelernte Goldschmied und KI-Experte Gabriel Gimber im Dialog mit künstlicher Intelligenz, gemeinsam mit dem Solothurner Goldschmied Wolfgang Schnider.

Gold’Or: Wolfgang Schnider, an Ihrem Schaufenster klebt ein QR-Sticker mit der Aufschrift „Nimm dieses Schaufenster mit nach Hause“. Was passiert, wenn man ihn scannt?

Wolfgang Schnider: Dann haben Sie den kompletten Schaufensterinhalt auf ihrem Handy, mit Fotos, Details und Preisen. Gefällt ein Stück, kann man per WhatsApp mit uns in Dialog treten. Passanten, die abends vor dem Laden stehen, nehmen das Schaufenster einfach mit, aus dem analogen in den digitalen Raum. Wir haben aber bewusst auf eine Shop-Lösung verzichtet. Es geht nicht um den schnellen Kauf, sondern um die Beziehung mit den Kunden.

Gabriel Gimber, funktioniert das auch mit mehreren Fenstern?

Gabriel Gimber: Ja. Jedes Stück lässt sich einem bestimmten Schaufenster zuordnen. Wer den Sticker am linken Fenster scannt, sieht zuerst genau die Stücke, die dort ausgestellt sind, danach den Rest. Das Schaufenster auf dem Handy entspricht also dem, wovor die Person gerade steht.

Wolfgang Schnider und Gabriel Gimber

Erfährt der Goldschmied auch, was draussen passiert?

Wolfgang Schnider: Das ist für mich das Spannendste. Früher wusste ich nicht, ob am Sonntag überhaupt jemand an unserem Fenster war. Heute sehe ich am Montagmorgen, wie viele verschiedene Leute davorstanden, ob jemand ein zweites Mal zurückkam und welches Stück ihn festgehalten hat. Namen sehe ich keine, nur Muster. Aber ich weiss endlich, welches meiner drei Fenster zieht und welche Stücke niemand beachtet. Das verändert, wie ich unser Fenster dekoriere.

Hinter dem Schaufenster steckt eine komplett neue KI-Branchensoftware. Wie kam es dazu?

Wolfgang Schnider: Am Anfang standen meine Karteikärtchen! Jahrzehntelang habe ich jedes Stück von Hand erfasst, und Ende Jahr kostete mich das Inventar enorm viel Zeit. Im Januar habe ich Gabriel gefragt, ob er mir nicht eine Software bauen könnte, die das vereinfacht. Heute erledige ich das Jahresinventar mit einem einzigen Mausklick.

„Heute erledige ich das Jahresinventar mit einem einzigen Mausklick.“ Wolfgang Schnider

Gabriel Gimber, Sie haben Goldrocket in zehn Wochen entwickelt – ohne selbst zu programmieren. Wie muss man sich das vorstellen?

Gabriel Gimber: Ich habe keine Zeile Code geschrieben, sondern die Software vollumfänglich im Dialog mit künstlicher Intelligenz entwickelt. Ich beschreibe, was der Goldschmied braucht, die KI setzt es um, wir testen es bei Wolfgang im Atelier und verfeinern weiter. Dass ich den Beruf selbst gelernt habe, war entscheidend. Ich wusste ohne viele Erklärungen, was am Werktisch und im Laden wirklich gebraucht wird. Wichtig ist aber auch, dass wir alles mit maximaler Sicherheit entwickelt haben, mit Servern in der Schweiz und einem Zugang nur über eine Authenticator-App.

Bildschirmansicht der Software auf einem Notebook.

Was nimmt die Software dem Goldschmied sonst noch ab?

Gabriel Gimber: Den Alltag. Jedes Stück ist in rund 90 Sekunden erfasst, mit Fotos, Material und Steinen. Die Edelmetallpreise holt sich das System jeden Morgen früh von einem bezahlten, verifizierten Anbieter über eine Schnittstelle – die Produktpreise rechnen automatisch mit. Reparaturen, Altgoldrechner und intelligente Kundenkartei sind integriert; Kundinnen und Kunden werden automatisch informiert, wenn etwa die Trauringe fertig sind. Ein Mausklick und du bekommst eine WhatsApp-Meldung.

Wie startet man als Goldschmied konkret?

Gabriel Gimber: Auf goldrocket.ai registrieren und 14 Tage kostenlos mit vollem Zugang testen, ohne Kreditkarte. Danach kostet das Abo 89 Franken im Monat, alles inklusive. Das Onboarding dauert keine halbe Stunde: Betrieb erfassen, Legierungen wählen, erstes Stück fotografieren – fertig.

Zum Schluss: Was treibt Sie beide an?

Wolfgang Schnider: Dass unser Beruf eine Zukunft hat. Junge Berufsleute sollen sehen: Goldschmied sein heisst gestalten und nicht Karteikärtchen führen.

Gabriel Gimber: Für mich schliesst sich ein Kreis: Ich habe an der Werkbank angefangen und baue heute mit KI-Werkzeugen für die, die dort geblieben sind. red.

goldrocket.ai

Goldrocket
Goldrocket ist die neue Schweizer KI-Software für Goldschmiede: Inventar mit einem Mausklick, tagesaktuelle Edelmetallpreise, Reparaturen, Altgold, Kundenkartei, digitales Schaufenster per QR-Sticker und vieles mehr. Entwickelt hat sie Gabriel Gimber, gelernter Goldschmied und KI-Experte aus Solothurn – in zehn Wochen, vollumfänglich im Dialog mit künstlicher Intelligenz. Mitentwickelt und praxiserprobt bei Wolfgang Schnider, der an der Solothurner Barfüssergasse gemeinsam mit Matthias Hammer das Atelier Schnider & Hammer führt. pd

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