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Verzicht auf Baselworld

Seit nicht weniger als neun Generationen verarbeitet Hirsch den Werkstoff Leder. Seit vier Generationen stehen Armbänder aus weichen Materialien für Uhren im Mittelpunkt. Nikolaus Hirsch ist seit vergangenem Herbst für den Vertrieb und das Marketing zuständig. Der 28-Jährige erzählt, in welche Richtung die österreichische Firma steuert.

Gold’Or: Nikolaus Hirsch, wir haben gehört, dass die Firma Hirsch Armbänder nicht an der Baselworld ausstellen wird. Was sind denn die Gründe dafür?

Nikolaus Hirsch: Es ist das erste Mal seit Beginn der Uhren- und Schmuckmesse, dass wir nicht dabeisein werden. Gründe dafür gibt es mehrere. Die fragwürdige Ausrichtung der Baselworld hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugespitzt. Die Mieten kletterten ins Unermessliche, sodass sich die Investitionen nicht mehr gelohnt haben. Eigentlich sind doch die Zulieferer ein wichtiger Teil der Uhrenindustrie. Als das wurden sie von den Verantwortlichen jedoch seit Längerem nicht mehr betrachtet oder zumindest wurden sie nicht mehr so behandelt.

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Zu den Neuheiten zählt dieses Uhrenarmband aus natürlich gewachsener, veredelter Birkenrinde mit charakteristischen Einschlüssen und einem Kern aus Hirsch-Premium-Kautschuk.

Wie erreichen Sie denn Ihre Kunden ohne Messe?

Dank der Digitalisierung ist es viel einfacher geworden, mit den Kunden in Kontakt zu stehen. Heute muss man einen Geschäftspartner nicht unbedingt physisch in der Nähe haben, man kann per Videokonferenz miteinander kommunizieren. Sehr wichtig sind auch die sozialen Medien geworden.

Social Media? Damit sprechen Sie wohl den Endkunden an.

Ja genau. Es ist unser Ziel, bis 2030 eine Endkundenmarke zu werden. Heute kommunizieren wir noch grösstenteils durch unsere Händler mit den Konsumenten, das soll auch so bleiben. Wir streben keinen kompletten Strategiewandel an, sondern wir wollen einfach die neuen Möglichkeiten zusätzlich auch nutzen. Ein Standbein soll der Händler bleiben und ein zweites betrifft die direkte Kommunikation mit dem Konsumenten. Wir werden auch einen Online-Shop einrichten.

Denken Sie, dass der Detailhandel sich darüber freuen wird?

Momentan herrscht noch ziemlich viel Verunsicherung. Niemand weiss so richtig, wie sich alles entwickeln wird. Ich betrachte die Situation als neue Chance und als Bereicherung. Wenn wir die Hirsch-Armbänder durch direkte Werbung bekannter machen können, so bedeutet das auch Vorteile für die Händler, die unsere Produkte verkaufen. Wir streben eine Win-Win-Lösung für alle Beteiligten an. Wenn alle am gleichen Strang ziehen und wir offen miteinander kommunizieren, werden alle profitieren, davon bin ich überzeugt.

Ist die Teilnahme an der Baselworld für Sie also ein abgeschlossenes Thema?

Nein, überhaupt nicht. So wie die Welt und unsere Produkte sich ständig weiterentwickeln, so werden künftig auch die Messen anders daherkommen. In den letzten Jahren hat sich ja beispielsweise auch die Baselworld dem Publikum immer mehr geöffnet. Das finde ich toll, denn es bringt bestimmt keine Nachteile, wenn die Konsumenten einen Blick hinter die Kulissen der grossen Marken werfen dürfen.

Wie steht es um die Entwicklung und Neuheiten bei Hirsch?

Wir waren schon immer dafür bekannt, dass wir das Unmögliche möglich machen können. An der Baselworld 2017 haben wir ein Armband aus Stein und Kautschuk vorgestellt. Damit haben wir grossen Erfolg. Nachdem die Idee da war, musste lange geforscht werden. Etwa nach einem Jahr haben wir den richtigen Stein und die passende Technologie gefunden. Unsere Armbänder aus Schieferstein sind heute Teil der Performance-Kollektion.

Was darf in diesem Jahr Neues erwartet werden?

Heuer liegt unser Fokus sehr stark auf nachhaltigen Materialien. Es wird ein Armband aus Holzrinde geben. Wir werden es parallel zur Baselworld vorstellen. Das heisst, unsere Geschäftspartner werden angeschrieben und gleichzeitig nutzen wir dafür die verschiedenen sozialen Kanäle.  Zudem werden wir im Frühling und im Herbst je eine neue Limited-Edition-Kollektion an Lederbändern in trendigen Farben lancieren. Diese werden sehr weich sein und einfach und schnell gewechselt werden können. Lassen Sie sich überraschen…

Info
www.hirschag.com

Bild: Ein Uhrenband aus flexiblem, hauchdünn gespaltenem Schiefergestein mit einem Kautschuk-Kern. Es verfügt über eine spezielle Oberflächenveredelung, die für zusätzliche Robustheit sorgt.

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