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Nachgefragt bei Goldschmied Adrian Beyeler

Einerseits liebt der Goldschmied das Filigrane, Präzise, Ruhige, Schöpferische und andererseits gehören Lärm, Tempo, Kraft und das Gefühl von Freiheit zu seinen Leidenschaften.

Adrian, was treibt dich an, um jeden Tag ins Atelier zu gehen?

Adrian Beyeler: Auch nach bald 40 Jahren in der Branche bin ich immer noch überzeugt, den schönsten Beruf der Welt ausüben zu dürfen. Es ist der, der am besten zu mir passt. Daher gehe ich immer mit Freude ins Atelier.

Was steht auf deiner Werkbank, das für die Fertigung von Schmuckstücken nicht unbedingt relevant ist?

Vier Smarties in einer Membranbox, auf der ein Bild von meiner Partnerin und mir aufgedruckt ist. Diese bekam ich zum 50. Geburtstag geschenkt. Das fand ich so cool, dass ich als Schoggi-Junkie gleich alle Smarties gegessen habe, bis auf die vier letzten, die jetzt noch in der Box sind.

Was gefällt dir am Goldschmiede-Handwerk am besten?

Trotz des technischen Fortschritts ist das Goldschmieden ein richtiges Handwerk geblieben. Wir benutzen Werkzeuge und Maschinen, die schon unsere Vorfahren gekannt haben. Schön ist, dass ich absolut alles selbst machen kann, von der ersten Beratung des Kunden bis zum fertigen Schmuckstück.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich probiere nicht, mir einen eigenen Stil anzueignen, sondern ich will ganz auf die Kundin eingehen können. Wenn ich jedoch etwas fürs Lager oder Schaufenster anfertige, so zeigen meine Stücke oft verschiedene Ebenen auf, die immer wieder verlaufen. Dies ist aber nur ein kleiner Teil meines Schaffens. Daneben will ich möglichst vielseitig bleiben.

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Ringe für die Bikerszene aus Silber 925. Beim Ring in der Mitte ist das Zahnrad beweglich.

Was kannst du besonders gut?

Was mich wahrscheinlich auszeichnet ist, dass ich mich in mein Gegenüber einfühlen kann. Ich kann gut zuhören und verstehe schnell, was die Kundin will. Das dem so ist, zeigt sich nicht zuletzt bei der Treue und Zufriedenheit meiner Kundschaft.

Was macht eine Person schön?

Die Eigenheiten eines Menschen. Es gibt solche, die äusserlich als Schönheitsideale gelten, jedoch ihren Glanz verlieren, wenn man sie besser kennt. Echte Schönheit kommt von innen. Dies ist beim Schmuck anders: Er muss vor allem gut aussehen. Wenn er zu einer Person passt, dann unterstreicht er deren positive Ausstrahlung jedoch noch zusätzlich.

Was tust du für die Umwelt?

Ich trenne den Abfall und rezykliere was möglich ist. Weiter kaufe ich vorwiegend lokal ein und seit etwa zwei Jahren nehme ich für kurze Strecken wieder öfters das Velo hervor. Ich bin mir aber bewusst, dass ich mit meinen beiden Harleys in dieser Hinsicht sündige. Wenn Gott jedoch gewollt hätte, dass ich ein Wanderer werde, so hätte er mir sicher nicht so viel Freude und Leidenschaft für die schweren Maschinen mit auf den Weg gegeben.

Was macht gute Laune?

Lumi. Sie ist eine Schweizer Schäferhündin, die ich einen Tag pro Woche hüte. Ich freue mich immer auf sie, denn sie ist ein Goldschatz und macht definitiv gute Laune.

Zum Schluss darfst du noch wünschen, wen wir in dieser Serie als nächstes befragen sollen.

Claudia Fiechter, die in Neftenbach das kleine, feine Atelier Lovely Kingdom betreibt. Wir kennen uns seit Jahren und verfolgen unsere Arbeit vorwiegend im Internet. Sie ist gelernte Goldschmiedin und eine talentierte Allroundkünstlerin, die jede Arbeit mit Präzision und Herzblut ausführt.

Daniela Bellandi

abey.ch

Er sei der „kunstinteressierte Aussenseiter der Familie“, sagt Adrian Beyeler. Schnupperlehren als Maschinen- und Hochbauzeichner hätten ihm bewusst gemacht, dass er nicht nur planen, sondern das Gezeichnete auch ausführen möchte. So kam er auf den Beruf des Goldschmiedes. Mangels freier Lehrstelle lernte er zuerst Bijouterieverkäufer. Ein Berufsschullehrer hat sein Talent erkannt und ihm später eine Lehrstelle als Goldschmied vermittelt. 1995 eröffnete er in seinem Elternhaus, an der Landstrasse im aargauischen Gipf-Oberfrick, sein Atelier. Neben klassischen Goldschmiedearbeiten bedient er als Harley-Fahrer auch gerne die Bikerszene mit entsprechenden Schmuckstücken wie Töff-Anhänger, Totenschädel, Flammen oder Glückssymbolen. Motorräder sind mehr als ein Hobby für den 53-Jährigen. „Es steckt eine Lebensphilosophie dahinter, die mit Freiheit, Leidenschaft und Zusammengehörigkeit zu tun hat“, sagt er. Beyelers Partnerin hat zwei Pferde und eine Kutsche, mit der er gerne als Copilot ausfährt. Im Stall unterstützt er seine Liebste als „Gango“, wie er sagt. Das Reiten sei nichts für ihn, weil die Freiberger keine Bremsen hätten. Aber wenn es um die Mechanik der Kutsche gehe, so sei er gerne behilflich. „Das ist dann wieder mein Ding“, schmunzelt er, „denn dieses Gefährt hat ja Bremsen“. db