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Nachgefragt bei Simone Aebersold

Simone, was treibt dich an, wenn du am Morgen aufstehst und in dein Atelier gehst?

Mein zweieinhalbjähriger Sohn Max. Er sorgt morgens früh für Tagwache. Mein Beruf erfüllt mich jedoch ebenso wie das Muttersein. In meiner Goldschmiede gebe ich den Takt an und strukturiere meinen Tagesaublauf selbst.

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Ring in Silber und Gelbgold mit einem Citrin und zwei Turmalinen.

Was steht auf deiner Werkbank, das für die Fertigung von Schmuckstücken nicht unbedingt relevant ist?

In emotionaler Hinsicht wohl das wertvollste Stück in meinem Atelier: ein kitschiges Löffeli mit einem Engelchen. Das hat mir eine Herzensfreundin zur Eröffnung meines ersten Lädelis geschenkt. Sie ist inzwischen leider gestorben aber doch irgendwie immer bei mir.

Was gefällt dir am Goldschmiede-Handwerk am besten?

Die Vielseitigkeit: Jeder Auftrag ist anders. Von repetitiven Arbeiten wie den Reparaturen, über Umänderungen eines Schmuckstücks, das mit grösster Sorgfalt bearbeitet werden muss, weil es der Kundin viel bedeutet, bis hin zu komplexen Neuanfertigungen bringt jeder Arbeitstag Neues mit sich.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich habe zwei Stile: einen im Kopf, den ich gerne öfters ausleben möchte, und einen in meinem Portfolio. Im Grunde bin ich eine „Schnörkeltante“ und liebe es romantisch, also reich verziert mit farbigen Edelsteinen – ein bisschen kitschig eben. Aber meine Arbeitsmappe zeigt ganz klar einen modernen, geradlinigen Stil ohne viel Schnickschnack. Vielleicht gelingt es mir eines Tages, beide Stilformen miteinander zu vereinen.

Was kannst du besonders gut?

Komplexe Fassungen und Einpassungen faszinieren mich. So befriedigt mich bei der Arbeit nichts so sehr wie eine Fassung, der perfekt passt. Zudem nehme ich jeden Auftrag gleich ernst, denn auch die Kunden mit kleinerem Budget verdienen meine hundertprozentige Aufmerksamkeit.

Was fasziniert dich neben deinem Beruf als Goldschmiedin am meisten?

Der alltägliche Familienwahnsinn (lacht). Da lerne ich immer viel dazu, beispielsweise, dass man das Füfi auch mal gerade sein lassen sollte und dass es Platz für ein gewisses Chaos braucht. Der familiäre Austausch und das Zusammensein stellen einen wertvollen Ausgleich dar.

Was macht gute Laune?

Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und endlich wieder Livekonzerte besuchen zu können. Erst als dies wieder möglich war habe ich gemerkt, wie sehr ich das während der letzten zwei Jahre vermisst habe.

Zum Schluss darfst du noch wünschen, wen wir in dieser Serie als nächstes befragen sollen.

Aurelia Reichlin aus Küssnacht am Rigi. Sie ist Goldschmiedin und Edelsteinfasserin. Wir arbeiten seit drei Jahren regelmässig zusammen, aber ich weiss nur wenig von ihr. Deshalb bin ich auf ihre Antworten in diesem Interview gespannt.

Daniela Bellandi